Belastende Wartezeiten für Kinder und Eltern

Kinder, die eine Rechtschreibschwäche haben, brauchen fachlichen Rat und Hilfe.
Kinder, die eine Rechtschreibschwäche haben, brauchen fachlichen Rat und Hilfe.
Foto: dpa

Schwelm..  Die psychologische Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche des Ennepe-Ruhr-Kreises schlägt Alarm. 2014 stieg die Zahl an Anmeldungen derart an, dass die Wartezeit allein für ein Erstgespräch inzwischen knapp fünf Monate beträgt. Bis zur Aufnahme einer Förderung vergehen im Schnitt sogar neun Monate. Die Psychologen sprechen von einer starken Belastung für Kinder und Eltern und fordern von der Politik mehr Unterstützung – so geschehen Anfang dieser Woche im Schwelmer Jugendhilfeausschuss.

Anlaufstelle für Schüler im Südkreis

Die psychologische Beratungsstelle ist im Südkreis die Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche mit einer Lese-Rechtsschreibstörung, einer Rechenstörung und bei ADHS bzw. HKS. Arbeitsschwerpunkte der Einrichtung sind die Diagnostik, das Angebot präventiver Hilfs- und Fördermaßnahmen zur Vermeidung einer seelischen Behinderung in Folge der Störungen sowie das Erstellen von Empfehlungen für die Jugendämter.

Da es sich um eine Einrichtung des Kreises handelt, hat die Politik bei der Ausstattung der Beratungsstelle durchaus ein Wort mitzureden. Anja Jürke und Dr. Ilga Opterbeck verdeutlichten in ihrem Bericht gegenüber dem Schwelmer Jugendhilfeausschuss, dass aus Sicht der Beratungsstelle dringender Handlungsbedarf bestehe. Sie appellierten um Unterstützung.

Die Expertinnen zeichneten im Ausschuss ein besorgniserregendes Bild. Die Beratungsstelle habe 2014 in allen Bereichen steigende Zahlen verzeichnet. Augenfällig sei der Anstieg an komplexen Fällen. Immer mehr Kinder und Jugendliche kämen mit gleich mehreren Schwächen und Störungen zur Beratungsstelle. Das ziehe einen erhöhten lerntherapeutischen Bedarf nach sich. Gleichzeitig würden die Mitarbeiter eine sinkende Motivation unter den Eltern bemerken.

Die Gründe hierfür seien vielfältig, so die Expertinnen. Kinder und ihre Familien hätten immer weniger Zeit für eine individuelle Förderung. Ursachen hierfür sehen sie in der Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich und im vermehrten Nachmittagsunterricht an weiterführenden Schulen.

Inklusion sorgt für starken Anstieg

Deutlich bemerkbar macht sich bei der Beratungsstelle die zunehmend inklusive Beschulung, wie die Expertinnen berichteten. Früher hätten sich die Sonderpädagogen an den Förderschulen um die lernbehinderten Kinder und Jugendliche gekümmert. Heute soll das vermehrt die Beratungsstelle zusätzlich zum Regelschulbesuch übernehmen. Vor allem dies hätte zu einem starken Anstieg bei den Anmeldezahlen geführt.

Bedingungen müssen besser werden

Doch es sind auch die unterschiedlichen Bedingungen der Förderung, die der Beratungsstelle vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen immer mehr Schwierigkeiten bereiten. Im aktuellen Wirkungsbericht der Beratungsstelle heißt es dazu wörtlich: „In den Städten sind die räumlichen Voraussetzungen häufig nicht ausreichend für eine gute Förderung. Nur in Gevelsberg entsprechen sie durchgehend den fachlichen Anforderungen“.

Die Sprache ist von Räumen, die von den Kommunen nur zeitlich sehr begrenzt zur Verfügung gestellt werden, in den Ferien verschlossen bleiben oder in den späten Nachmittagsstunden nicht beheizt werden. Es fehle vielerorten am Nötigsten wie Schreibtafeln oder Schränken zum Lagern von pädagogischen Materialien. „Nicht selten“, so steht es im Bericht wörtlich, „sind die sanitären Anlagen aufgrund starker Verschmutzung unbenutzbar und Förderung durch äußere Lärmquellen gestört“.

Um dem Anstieg bei den Zahlen und dem steigenden Förderbedarf gerecht zu werden, müssten die Rahmenbedingungen unbedingt verbessert werden, hieß es. Sowohl, was die Räume betrifft, wie auch die Zusammenarbeit mit den Schulen. Es sei auch mehr Fachpersonal notwendig. „Nur so kann weiter gewährleistet werden, dass die notwendige Förderung den Kindern und ihren Familien zu Gute kommt und die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Bildungsweg geschaffen werden“, schließt der Bericht von Anja Jürke und Dr. Opterbeck.