Bei „Kontra“, „Re“ und „Bock“ voll in ihrem Element

Melitta Pflichtenhöfer, Siegerin der Jahreswertung 2014 (Hagen, 10.002 Punkte), und Turnierorganisator Bodo Gollbach aus Schwelm.
Melitta Pflichtenhöfer, Siegerin der Jahreswertung 2014 (Hagen, 10.002 Punkte), und Turnierorganisator Bodo Gollbach aus Schwelm.
Foto: Jan Schulte

Schwelm..  Bodo Gollbach ist ein wenig ratlos, während er darüber nachdenkt, warum sein Lieblingsspiel Skat offiziell nicht als Sportart durchgeht. „Schach ist doch auch als Denksport angesehen. Und beim Skat muss man ja auch viel nachdenken“, resümiert Gollbach. Der 72-Jährige ist bei „Kontra“, „Re“ und „Bock“ voll in seinem Element.

Jahressiegerin Melitta Pflichtenhöfer

„Gereizt“ wird jede Woche, im regelmäßigen Wechsel zwischen Schwelm, Gevelsberg, Haßlinghausen und Hagen-Haspe. Seit etwas mehr als fünf Jahren treffen sich die „Freien Skatfreunde Schwelm“ an jedem ersten Samstag im Monat im Kolpinghaus zum Kneipensport. „Das hat schon familiäre Züge“, meint Bodo Gollbach, „wenn einer mal nicht kommt, fällt das sofort auf und es wird sich gefragt, wo der denn wohl geblieben ist.“ Besonders die Geselligkeit ist es, die Bodo Gollbach und die bis zu 30 Mitspieler bei den rund fünfstündigen Skat-Turnieren Samstag für Samstag wieder an die Tische bringt.

Doch wie auch in fast allen anderen geselligen Vereinen und Organisationen, mangele es auch den Skatfreunden an Nachwuchs. „Schuld ist, meiner Meinung nach, die ganze neue Technik“, so Bodo Gollbach, „die Jugend hat kein Interesse mehr daran und spielt, wenn überhaupt, lieber am Computer solche Spiele.“ Online-Poker sei angesagt. Für Skat ließe sich kaum noch jemand begeistern. Dabei hat das Anfang des 19. Jahrhunderts in Thüringen wohl als Abwandlung des ebenfalls bekannten Kartenspiels „Schafskopf“ erfundene Skat eine lange Tradition und gilt noch immer als eines der bekanntesten und beliebtesten Spiele Deutschlands. Doch das steigende Desinteresse sei spürbar, so Bodo Gollbach: „Nach oben hin müssen wir Abstriche machen und von unten kommt nichts mehr nach.“ Früher seien auch noch viel mehr Leute zu den Turnieren gekommen.

Doch Trübsal wollen die Skatspieler im Kolpinghaus nicht blasen. Stattdessen genießen sie umso mehr die Spiele und reizen, was das Zeug hält. Sogar aus Dortmund, Solingen oder Lüdenscheid kämen die Spieler in den EN-Kreis, um mitzuspielen, berichtet Bodo Gollbach. Akribisch führt er nach jedem Turniertag eine Wertungsliste, rechnet alle Punkte zusammen. Als erfolgreichste Spielerin bewies sich die Hagenerin Melitta Pflichtenhöfer. Wieder einmal. „Die hat das schon gut drauf“, erkennt Bodo Gollbach an. An sämtlichen Tischen sei es regelmäßig die Hagenerin, die bei den Herren für Frustration sorge. Sie selbst führt das auf ihre jahrelange Skat-Routine zurück: „Ich saß schon als Fünfjährige auf Opas Schoß und habe beim Skatspielen zugeschaut. Da bleibt viel hängen.“

Für Pflichtenhöfer sowie die Zweit- und Drittplatzierten der Jahreswertung, Klaus Grigat (Wuppertal) und Werner Dreißig (Gevelsberg), gab es zur Ehrung Geld- und Sachpreise. Im Februar wird im Kolpinghaus wieder Skat gespielt. Den „Trumpf“ hat der Wirt schon angekündigt: „Dann läuft auch wieder Bundesliga.“ Die Skatfreunde aus Schwelm und Umgebung wird das freuen.