„Aufgeben? Niemals!“

Simone Heintze und Julia Fiedler mit dem Buch "Aufgeben? Niemals!". Simone Heintze hat bereits dreimal in ihrem Leben Krebs gehabt und nun die Gesichte ihrer letzten Chemotherapie aufgeschrieben. Ihr zweites Buch ist in Arbeit.
Simone Heintze und Julia Fiedler mit dem Buch "Aufgeben? Niemals!". Simone Heintze hat bereits dreimal in ihrem Leben Krebs gehabt und nun die Gesichte ihrer letzten Chemotherapie aufgeschrieben. Ihr zweites Buch ist in Arbeit.
Foto: WP

Gevelsberg..  13, 16, 39 – Zahlen, die für Simone Heintze existenzielle Bedeutung haben, denn dreimal ist sie dem Tod von der Schippe gesprungen. So alt war sie jeweils, als bei ihr Krebs diagnostiziert wurde. Heute feiert die Gevelsbergerin ihren 41. Geburtstag – voller Lebensfreude, voller Zukunftspläne. Eine innere Grundhaltung, die sie maßgeblich durch die vergangenen Monate nach der letzten Hiobsbotschaft getragen hat und die aus jeder Zeile ihre Buchs „Aufgeben? Niemals! Meine Heilungsgeschichte“ den Leser förmlich anspringt.

Angst vor vierter Krebsdiagnose

Simone Heintze öffnet die Tür. Ihre braunen Augen strahlen, die dunklen Haare sind nachgewachsen. Niemand kann erahnen, dass sie vor etwas mehr als einem Jahr noch in der Hölle der Chemotherapie schmorte. Genau diese Zeit hat sie in ihrem Buch verarbeitet. Stets an ihrer Seite: ihre Freundin, die Journalistin Julia Fiedler. Auslöser, die eigene Leidensgeschichte niederzuschreiben, die auch das Leben ihres Mannes Arnd und der drei Kinder Marvin (17), Sarah (15) und Theresa (13) monatelang bestimmte, war ein erneuter Schock. „Nachdem meine Therapie abgeschlossen war, kam im Februar 2014 der Verdacht auf, dass der Krebs erneut zurückgekehrt sei“, erinnert sie sich. Schon wieder? Warum? Noch einmal die Qualen der Chemotherapie durchleiden? Erneut die große seelische Belastung für Familie und Freunde? Von verzweifelter Hilflosigkeit durchdrungen, schrieb Simone Heintze „alle an, die ich kenne, dass sie für mich beten mögen.“

Eine Flut von Antworten, Blumengrüßen, besten Wünschen und Gedichten ereilte sie während der quälend langen Woche der Ungewissheit, bevor feststand: Entwarnung. Simone Heintze muss nicht ein viertes Mal den Kampf gegen den Krebs aufnehmen. Viele schrieben ihr, wie sehr sie die Zeilen der Gevelsbergerin mit Wurzeln im Großraum Stuttgart gefesselt und emotional berührt hätten.

„Der Gedanke reifte, mehr zu schreiben“, erinnert sie sich und sprach mit Julia Fiedler darüber. Die hatte zwar erst sechs Monate zuvor ihr viertes Kind bekommen, sicherte ihrer Freundin aber jede Unterstützung zu – beim Redigieren als kritische Leserin und als Lektorin.

Im Alter von 13 und von 16 Jahren befiel Simone Heintze der Lymphdrüsenkrebs, sie nimmt seitdem an einer Langzeitstudie teil. Die ergab: Frauen, die damals die Bestrahlung erhielten, werden oft von Brustkrebs heimgesucht. Pünktlich zu dieser Diagnose zieht Simone Heintze den Leser in ihre Geschichte und begräbt ihn zunächst unter den Trümmern ihres zerberstenden Lebens.

Rückendeckung der Familie

Doch schnell wird klar: Die Frau will leben, hat Hoffnung, ist gestützt von ihrem Glauben, getragen von ihrer Familie und verliert niemals ihre Ziele aus den Augen, was sie noch alles erreichen will im Leben – wenn sie selbstverständlich wieder gesund ist. Eines dieser Ziele ist das Kite-Surfen – aus medizinischer Sicht nach der Behandlung und der Brustoperation unmöglich. Ob sie es geschafft hat, erfährt der Leser auf insgesamt 240 Seiten, die derart packend sind, wegen dieser ungewöhnlichen, dieser persönlichen Perspektive, dass es kaum möglich ist, das Buch aus der Hand zu legen.

Simone Heintze öffnet sich und gibt – auch mit Fotos einen Einblick in das private Leben der Familie Heintze. Eine Sache, die wohl überlegt sein will. „Mein Mann und meine Kinder haben das Buch selbstverständlich vorher gelesen. Arnd ist zwar kritisch gewesen, weil es sehr persönlich ist, steht aber voll und ganz hinter mir. Meine Kinder sind restlos begeistert“, sagt sie.

Begeisterung erfährt sie auch von ihren Lesern, obwohl „Aufgeben? Niemals!“ erst seit dem 10. Februar im Handel ist. „Ich habe viele Anfragen bekommen, wie es denn weitergeht mit mir.“ Das will sie in einem zweiten Buch erzählen, die ersten Kapitel sind geschrieben, Julia Fiedler ist natürlich wieder mit an Bord.

Wichtig ist den Frauen zu betonen, dass ihnen am Wenigsten daran gelegen ist, Geld damit zu verdienen. „Seit Jahren plane ich, eine Wohngemeinschaft für Senioren – keine Pflegeeinrichtung sondern eine echte WG – auf unserem Grundstück in Berlin zu realisieren.“ Diese Planungen liefen auch während der Krankheit ungebrochen weiter – auch darüber erfährt der Leser einiges in dem Buch, von dessen Erlös ein Teil in dieses Projekt fließt, das von der Evangelischen Stiftung Volmarstein nach Kräften unterstützt wird, und die hierfür ein zweckgebundenes Spendenkonto eingerichtet hat: Ev. Stiftung Volmarstein, IBAN: DE40 3506 0190 2101 5990 54, Verwendungszweck: „Pures Leben“.

Zwei Worte, die wie für Simone Heintze gemacht zu sein scheinen. Denn eine weitere Zahl soll auf 13, 16 und 39 nie wieder in ihrem Leben folgen.

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