Aufgeben kommt nicht infrage

Gevelsberg..  Seit 30 Jahren ist Ivo Batrenjak bei Jeco Jellinghaus beschäftigt. In dieser Zeit habe er miterlebt, wie große Firmen geschlossen wurden. Peddinghaus, Schmermund, Niepmann, Bockhacker, Hünninghaus, das Kruiner Stahlwerk. Nun steht seine Firma auf der Liste. „Vier oder fünf Kündigungswellen habe ich erlebt“, sagt Batrenjak. „Doch dieses Mal werde ich wohl kein Glück haben.“ Nach dem Schock und der Sprachlosigkeit ist nun der Kampfgeist da, bei ihm und der 140-köpfigen Belegschaft. Für die letzte kleine Chance, dass das Werk vielleicht doch nicht geschlossen wird.

Kämpferische Stimmung

Mit wehenden Gewerkschaftsfahnen, Trillerpfeifen und gelb leuchtenden Leibchen zieht die Belegschaft von der Feldstraße bis zur Aula Alte Geer. Dorthin hat der Betriebsrat eingeladen. Es ist die erste Versammlung der Arbeitnehmervertretung nach dem schwarzen Freitag im Februar. Die Kollegen sollen die Gelegenheit haben, Fragen zu stellen, sich in großer Runde auszutauschen, über den aktuellen Stand der Gespräche mit der Geschäftsführung informiert zu werden. Vor allem aber gestärkt soll die Belegschaft daraus hervorgehen, für die langen Monate der Unsicherheit, die noch vor jedem einzelnen liegen. Rückenwind gibt es bereits auf dem Weg zur Betriebsversammlung. „Viel Glück“, ruft eine Frau der Gruppe zu. Lächelt die Menschen an, die ihr entgegenkommen. Autofahrer hupen, einige bleiben stehen und machen ein Foto mit ihrem Handy, winken.

Georg Kuhnert hat all das schon einmal miterlebt. Er war damals bei Peddinghaus beschäftigt. Vor etwa 19 Jahren verlor er seinen Job, obwohl auch hier um den Erhalt gekämpft wurde. „Dieses Mal ist jedoch alles schlimmer“, sagt er. Er sei 60 Jahre alt, wer wird ihn einstellen, fragt er. Wenn er Pech habe, müsse er vor der Rente Hartz IV beantragen. Doch für die Jüngeren sei die Situation am schlimmsten. Es seien immer mehr Jobs in der Region abgebaut worden, wo sollen die alle unterkommen? „Ich weiß nicht, wie es für uns weiter gehen soll.“

Ungewisse Zukunft

Das weiß keiner. Die Geschäftsführung habe die Belegschaft am Freitag informiert, dass sechs Monate dafür vorgesehen seien, das Werk zu schließen. Wann die Abwicklung beginnt, auch darüber habe der Betriebsrat keine Kenntnis. „Ich hoffe ja, dass es gar nicht losgeht“, betont Betriebsratschef Michael Jaenecke. Das hofft auch Ivo Batrenjak. Die Jahre, die er nicht arbeiten dürfe, die würden ihm später fehlen. Eine Chance auf einen neuen Job sieht er nicht. „Ich bin 62 Jahre alt.“

Er hofft, dass das Ende von Jeco noch abgewendet werden kann. Natürlich hätten die Mitarbeiter gemerkt, dass immer mehr Arbeit abgezogen worden sei, mit einer Veränderung hätten sie gerechnet, einer Verkleinerung vielleicht, aber nicht mit dem Ende. Damit abfinden wolle sich keiner, sagt der Betriebsratschef. Das haben die Jeco-Kollegen gestern eindrucksvoll bewiesen.