Arbeit soll professioneller werden

Integrationshelfer – hier ein Bild aus Witten – werden an der Engelbertschule in Zukunft gepoolt
Integrationshelfer – hier ein Bild aus Witten – werden an der Engelbertschule in Zukunft gepoolt
Foto: FotoPool

Schwelm..  Es geschehen noch Zeichen und Wunder: Dass sich die Politik in der Sache einig ist, ist in Schwelm eine Ausnahme. Die größten Übereinstimmungen sind noch im Schulausschuss und Jugendhilfeausschuss feststellbar. In einer gemeinsamen Sitzung brachten beide Gremien nach ausgiebiger Diskussion jetzt das Pilotprojekt „Poolbildung der Integrationshelfer“ einstimmig auf den Weg. Demnach wird für das erste Halbjahr 2015/16 an der Grundschule Engelbertstraße der Einsatz der Integrationshelfer und weiterer Fachkräfte wie Sonderpädagogen aus einem Pool bestritten.

Sechs Monate Testphase

Die Landesregierung hat das Gesetz zur Inklusion erlassen. Damit haben auch lernauffällige Schüler einen Anspruch auf Beschulung in der Regelschule. Doch mit der Umsetzung sind die Kommunen regelrecht alleingelassen worden. Um den effektiven Helfereinsatz zum Wohl der Schüler zu optimieren, hat sich die Engelbertschule deshalb Gedanken gemacht. Die Ergebnisse dieser Fleißarbeit stellten nun Rektor Mathias Wagener und Sonderpädagogin Nicole Vilgis der Politik vor.

18 Schulbegleiter sind zurzeit an den vier Schwelmer Grundschulen unterwegs: 7 am Ländchenweg, 4 an der Engelbertschule, 3 an St. Marien und 4 an der Nordstadtschule. Damit ist das Ende der Fahnenstange längst nicht erreicht. „Die Zahl der Anträge wird heftig ansteigen“, prognostizierte Jugendamtsleiter Olaf Menke, der sich auch für die Poollösung aussprach, um dem Problem in Zukunft überhaupt Herr werden zu können. Damit hat die Stadt Schwelm in der Sache eine Kehrtwendung von 180 Grad hingelegt. Denn noch vor Wochen hatte sich die Verwaltung strikt gegen eine Poollösung ausgesprochen und den individuellen Einsatz nach Elternantrag favorisiert. Die Rechtslage ist klar: Eigentlich müssen die Eltern den Integrationshelfer beantragen. Doch in der Regel werden die Erziehungsberechtigten erst auf Initiative der Schule tätig. Dort würden die Defizite einzelner Schüler festgestellt.

„Die Qualität der Arbeit funktioniert an vielen Stellen einfach nicht“, ist die Erfahrung von Nicole Vilgis. Im Schulalltag fehle es oft an Konzepten. Für den Schüler sei die Kontinuität zur Bezugsperson nicht gewährleistet, wenn der Integrationshelfer krank sei und ein Springer käme. Mit der Einführung der Poollösung an der Engelbertschule hofft die einzige Sonderpädagogin, die dort im Kollegium vorhanden ist, die Qualität der Arbeit zum Wohle der Kinder verbessern zu können. Durchschnittszahlen gehen davon aus, dass 18 Prozent der Kinder an einer Schule auffällig und 5 Prozent der Kinder behandlungsbedürftig sind. Im Fall der Engelbertschule besteht für 30 Kinder Handlungsbedarf. Während der Pilotphase wird dort die Zahl der Integrationshelfer von vier auf sieben erhöht.

Mit der Poolbildung soll alles besser werden, die betroffenen Kinder effektiver unterstützt und der Einsatz von Schulbegleitern optimiert werden. Nach Abschluss des Halbjahrs erfolgt eine Auswertung, über die dem Ausschuss berichtet wird. Danach soll entschieden werden, ob das Projekt weitergeführt, auf andere Schulen übertragen oder eingestellt wird.

Kreis-Schulrat Joachim Niewel sieht die Sache grundsätzlich positiv. „Alle Schulen, die die Poolbildung eingeführt haben, profitieren davon“, so seine Erfahrung. Diese Poolbildung ist für den Schulfachmann erst ein Anfang. Das sieht auch Marcel Gießwein (Grüne), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, so: „Ich freue mich, dass wir ein Pilotprojekt anschieben können.“ Rektor Wagener lud die Politiker zum Hospitieren an seine Schule ein. „Kommen Sie in eine Klasse mit 29 Schülern und einem Lehrer. dann werden Sie sehen, dass wird auf die Integrationshelfer angewiesen sind.“