Am Anfang sangen nur ein paar Angler gern

Die Ennepetaler sind stolz auf ihren Shanty-Chor aus Voerde. Zu Recht, wie der Chor gestern eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Die Ennepetaler sind stolz auf ihren Shanty-Chor aus Voerde. Zu Recht, wie der Chor gestern eindrucksvoll unter Beweis stellte.
Foto: Angelika Trapp

Ennepetal..  Wenn maritime Klänge schon im Innenhof des Hauses Ennepetal zu vernehmen sind, kann das nur bedeuten: Die Shantys sind los. Der große Saal im Haus Ennepetal war ausgebucht, rund 500 Besucher genossen das Jubiläumskonzert zum 30-jährigen Vereinsbestehen des Shanty-Chors Voerde, an dem auch der Shanty-Chor Delme Shanty Singers aus Delmenhorst, der Shantychor „Die Luttermöwen“ aus Gütersloh-Isselhorst und der Shanty-Chor Duisburg beteiligt waren.

Gemeinsam sorgten die vier Shanty-Chöre für einen stimmungsvollen musikalischen Mix, nahmen das begeisterte Publikum mit auf eine zauberhafte Reise um die Welt. Die schönen Stunden am Sonntag, ausgerichtet vom Shanty-Chor Voerde, konnte man von vormittags bis zum Spätnachmittag genießen. Spielte auch anfangs die Technik etwas verrückt: Man nahm es gelassen hin, denn „die Töne könnten ja auch vom Klabautermann kommen“, war zu hören.

Liebe, Rum, Meer und Heimweh

Sie sangen von der Liebe, von Gin und Rum, vom Meer und von Heimweh. Wortgewandter Moderator des Shanty-Chors war Helmut Schulte, der, wie könnte es anders sein, immer wieder kleine Witzchen einfließen ließ.

Der musikalische Leiter der Voerder Shantys, Jürgen Schöneberg, legte, nachdem Vorsitzender Klaus Glenzke „ganz viele“ Ehrengäste begrüßt hatte, los mit „Heho, heho, alle Männer her an Bord“. An „Bord“ waren aber auch viele Frauen, die begeistert Applaus spendeten. „Wo meine Sonne scheint“ ging zum Herzen. Und bei der Passage „Ich seh die Hand, die zum Himmel weist“, brauchte man ja nur ein wenig den Kopf zu recken – im Innenhof des Hauses Ennepetal war sie…

Michael Westenburg trug erstmals „La Paloma“ vor. Premiere gelungen! Und dazu gratulierte auch dessen Bruder Ulli, der als Überraschung aus Dortmund gekommen war. Bei „Titanic“, von „unserem Oliver“ präsentiert, wurde mitgesungen, mit den Füßen gewippt. Da saß niemand still.

Und dann besangen die Shantys „Mary-Ann“, aber dabei handelt es sich nicht um eine hübsche Frau, sondern um das Schiff, das ein Schiffsjunge so liebt. Bei „Sloop John B“ tobte der Saal, der Applaus wollte nicht enden.

Was sang der Shanty-Chor Duisburg? „Matrosen machen müde Mädchen munter“. Aber ganz ehrlich: Die Matrosen kannten die Ennepetaler „Mädels“ nicht. Die hatten nämlich auch dazu beigetragen, die Matrosen munter zu machen. Die Duisburger erhielten auch Applaus für „Traumschiff nach Hawaii“. Schön vorgetragen auch das „Duisburger Hafenlied“.

Gänsehautfinale mit allen Chören

Die Luttermöven aus Gütersloh präsentierten ein Freddy-Quinn-Potpourri, „Santo Domingo“ und „Ein weißes Boot“. Viel Beifall erhielt deren junger Sänger René(10). „In Johnnys Kneipe“ ließen die Gütersloher verlauten und führten die Besucher in Spelunken und Hafenbars, wo Matrosen Seemannsgarn spinnen. Und dann hieß es gesanglich „Es gibt nur Wasser“. Von wegen. Es müssen ja nicht gleich „Gin und Rum“ sein, den die Delme Shanty Singers besangen. Man konnte ja mal einen langen Hals am Getränkestand machen, den „unsere“ Shantys betreuten.

Die Delmenhorster, ein Frauen-Shanty-Chor, begeisterten noch mit „Bora, Bora“, wobei eine zauberhafte Stimmung im Saal herrschte. Da schloss Ehrenbürgermeister Friedrich Döpp die Augen und dachte sicher an Strand und blaues Meer. Neben ihm begrüßte Vorsitzender Klaus Glenzke die weiteren Ehrengäste: Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen, seine Stellvertreterin Anita Schöneberg, die auch mit dem Shanty-Chor auf der Bühne stand, SPD-Landtagsabgeordneten Hubertus Kramer, sowie ein weiterer Ehrenbürgermeister: Michael Eckhardt.

Michael Westenburg, 2. Vorsitzender des Shanty-Chors Voerde, hielt einen Rückblick „30 Jahre Shanty-Chor Voerde“, bevor Bürgermeister Wiggenhagen im Namen der Stadt gratulierte. Zu Klaus Glenzke sagte er: „30 Jahre Vorsitzender, das ist eine besondere Erwähnung wert, das macht man nicht mal eben so. Alles Gute und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“. Grußworte sprach zudem Hans Rodax, der Glenzke eine Urkunde zum 30-Jährigen und Jürgen Schöneberg ein Buch mit Shanty-Liedern überreichte.

Das Finale geriet zu einem Gänsehautmoment, als alle Chöre gemeinsam „Lieder so schön wie der Norden“, „Endlos sind jene Meere“ und „Amazing Grace“ durch den Saal donnern ließen. Tosender Applaus.

Der Shanty-Chor Voerde, der sich aus dem Angelverein der Königsangler gegründet hatte, angelt auch heute noch: Nämlich Fans – und die hatten die Shantys auch wieder am Sonntag reichlich am „Haken“.

Am 26. Januar 1985 waren es 17 Sänger, die den Königsanglerchor gründeten. Es waren Vereinsmitglieder der Voerder Königsangler, die bei regelmäßigen Hochseefahrten die Liebe zu Seemannsliedern, entdeckten. Im Laufe der Zeit wuchs der Spaß am Gesang derart an, dass die meisten der Mitglieder nicht angeln, sondern nur noch singen wollten.