Alten Menschen mit Leidenschaft helfen

Einrichtungsleiterin Kerstin Thiel des AWo-Seniorenzentrums an der Kampstraße kegelte gestern mit Bewohnern der Einrichtung. Die AWo plant unter anderem eine Vernetzung mit dem Quartiersmanagement.
Einrichtungsleiterin Kerstin Thiel des AWo-Seniorenzentrums an der Kampstraße kegelte gestern mit Bewohnern der Einrichtung. Die AWo plant unter anderem eine Vernetzung mit dem Quartiersmanagement.
Foto: Andreas Reinshagen

Gevelsberg..  Der Internationale Tag der Pflege am gestrigen 12. Mai ist dem Pflegepersonal auf der ganzen Welt gewidmet. Er geht auf den Geburtstag der britischen Krankenschwester Florence Nightingale zurück. Sie gilt als Pionierin der modernen Krankenpflege, denn im damaligen Krimkrieg zeigte sie besonderen Einsatz im Umgang mit ihren Patienten. Wie anspruchsvoll der Beruf wirklich ist, kann man nur erahnen, denn erst im Alter ist man ja auf die Hilfe von Pflegeeinrichtungen angewiesen. In der breiten Öffentlichkeit hat dieser Beruf oft ein eher weniger gutes Image. Zu Unrecht!

„Dieser Beruf ist sehr krisensicher und es gibt viele Weiterbildungsmöglichkeiten“, sagt Magdalena Plith vom AWo-Fachseminar Gevelsberg. Auch die Zukunftsperspektiven seien im Pflegebereich sehr vielseitig. Neben einer Ausbildung könnten auch Spezialisierungen angestrebt werden und ein Studium für leitende Positionen sei ebenfalls nicht ausgeschlossen. Plith leistet im sogenannten Fachseminar der Arbeiterwohlfahrt eine Art Bildungsberatung in der Einrichtung für Nachwuchskräfte, das bereits seit 25 Jahren Altenpfleger in der Region ausbildet.

Schlechter Ruf des Berufs

Dem schlechten Ruf von Pflegeberufen fühlte sich auch Rabea Weißenborn anfangs ausgesetzt, als sie im Freundeskreis erzählte, demnächst in einem Pflegeheim anzufangen. Sie blieb aber ihrem Berufswunsch treu und ließ sich von den Äußerungen nicht abhalten. Nach dem Bundesfreiwilligendienst möchte die Ennepetalerin jetzt im AWo-Seniorenzentrum ab Oktober eine dreijährige Ausbildung beginnen. „Mein Ziel ist es, Menschen zu helfen, die nicht mehr so fit sind wie ich“, sagt sie.

Für das Seniorenzentrum an der Kampstraße ist dieser Welttag zudem eine willkommene Gelegenheit mal die eigenen Türen zu öffnen. „Wir sind nicht nur ein Seniorenzentrum“, sagt Einrichtungsleiterin Kerstin Thiel, „unsere tägliche Arbeit geht weit darüber hinaus.“ Neben der Versorgung von Senioren im Pflegeheim, die täglich auf Hilfe angewiesen sind, hat die Einrichtung auch Beratungs- und Kulturangebote im Programm. Ein offener Mittagstisch hat seit der Einführung bei den älteren Menschen in Gevelsberg einen hohen Stellenwert. Mit dem Aktionstag möchte die Einrichtung die breite Öffentlichkeit auf den Pflegebedarf in der Region aufmerksam machen. Oftmals geht es nämlich schon im täglichen Leben um ganz kleine Dinge. „Eine Einkaufshilfe oder nur Blumengießen können für Ältere schon hilfreich sein“, sagt Thiel.

In einem Pilotprojekt plant die AWo jetzt eine Vernetzung der Bürger in der Südstadt: Mit dem sogenannten Quartiersmanagement, eine Art Wiederbelebung der bekannten Nachbarschaftshilfe, möchte man Senioren sinnvoll durch den Alltag in den eigenen vier Wänden begleiten. Eine durchaus wichtige Initiative, denn der demografische Wandel macht auch in Gevelsberg nicht Halt: Bereits jetzt leben allein in der Südstadt 2700 Menschen im Alter über 60 Jahre. „Ältere Menschen möchten möglichst lange in der heimischen Umgebung bleiben, weil sie sich dort wohlfühlen und das unterstützen wir mit diesem Projekt“, sagt Quartiersmanagerin Monika Dammin.

Eine große Herzenssache

Ziel ist es, das Projekt mit den Pflegeangeboten des Seniorenheims aber auch mit dem Einsatz von Freiwilligen oder der Unterstützung anderer Einrichtungen möglich zu machen. „Wir haben bereits eine gute Seniorenarbeit vor Ort, jetzt gilt es mit den Gevelsbergern weitere hilfreiche Angebote zu schaffen, für mich eine große Herzenssache“, sagt Dammin.

Bereits im Februar konnten Wünsche und Forderungen in einer Bürgerbefragung erhoben werden. Als nächstes plant die Einrichtung ein Treffen für Interessierte am 20. Mai um 16.30 Uhr in der Kampstraße 6, Gevelsberg.