Alltagstauglichkeit beweisen

Stadt rechnet mit Engpass bei U3-Betreuung..  Sehr geehrte Frau Thomaschewski, die, für den Fortbestand einer gesunden Kommune notwendige Geburtenrate als „Luxusproblem“ zu benennen, ist gesellschaftspolitisch betrachtet eher eine unglückliche Wortwahl. Die Macht der Worte sollte auch bei einem einleitenden Satz nicht unterschätzt werden, spielt er doch in diesem Fall gerade auch Arbeitgebern in die Hände.


Nicht selten müssen sich Eltern, aufgrund nicht vollzeit-/schichtdienstkompatibler Betreuungszeiten anhören, Kinder seien „eine private Entscheidung“, „selbst gewählter Luxus“, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf „persönliche Angelegenheit“. Das eigentliche Dilemma der Familien hängt nicht an U3 sondern an Ü3: dem Ende der Elternzeit. Plätze für Kinder, die mit 3 Jahren in einer Kita starten, sind so gut wie nicht mehr vorhanden; Eltern melden aus Sorge um den Kita-Platz früher als tatsächlich benötigt oder auch von den Familien gewünscht einen Betreuungsbedarf an. Es entsteht eine künstliche Verknappung der U3-Plätze.


Eine eingehende Beschäftigung mit dem Thema lässt vor dem Hintergrund der unausgereiften Gesetzeslage alle Beteiligten verzweifeln. Die Kommunen können die gesetzlichen Anforderungen schlicht nicht erfüllen. Unterm Strich sind Kinder keine Us oder Üs, keine Zahlen, hinter die man ein Häkchen machen kann, wenn man sie „untergebracht“ hat. Am Ende muss es auch um die Frage der Betreuungs-Qualität gehen.


Gevelsberg hat mit der Stadtentwicklung den richtigen Weg eingeschlagen, sich für die zukunftssichernden Familien attraktiv positioniert. Nun muss der schöne Schein seine Alltagstauglichkeit beweisen. Die Zertifizierung zur familiengerechten Kommune wird angestrebt; besser wäre ein Zertifikat zur „Familientauglichkeit“.


Uns allen (und vor allem den trägen Trägern) wünsche ich, dass die in den letzten Wochen oft beschriebene Aufbruchstimmung auch auf andere Bereiche übergreift.

Sandra Perner,
1. Vorsitzende des Jugendamtselternbeirats Gevelsberg