Alles gute Nachrichten – nur für wen?

Kabarettist Uli Masuth (Mitte) mit Heike Gräfe von der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld und Carsten Michel vom Kulturbereich der Stadtverwaltung.
Kabarettist Uli Masuth (Mitte) mit Heike Gräfe von der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld und Carsten Michel vom Kulturbereich der Stadtverwaltung.
Foto: WP

Ennepetal..  Ja, es durfte gelacht werden und es wurde auch gelacht, als der Kabarettist Uli Masuth am Freitag in der Veranstaltungsreihe „Ennepe-Kultur“ der Sparkasse und der Stadt Ennepetal auf der Bühne stand.

Aber Uli Masuth, der Mann der leisen Töne, sorgt für Nachhaltigkeit in seinem Programm „Und jetzt die gute Nachricht“. Für Uli Masuth ist es wohl klar: er will aufklären, in dem er gute Nachrichten verbreitet. Charmant und mit viel Ironie zählt er gute Nachrichten für Profiteure auf, ist höchst aktuell im politischen Geschehen und verkneift sich die Nachricht nicht, dass bei den Griechenland-Krediten nicht die Bevölkerung, sondern Banken, auch deutsche, profitiert hätten. „In Griechenland hungert jedes vierte Kind und Finanzminister Schäuble ruft zum Sparen auf. Zynismus oder Realitätsverkennung?“ fragt Masuth.

Bei Uli Masuth lacht man als Zuhörer anders. Es gibt keine Schenkelklopfer, man muss lachen über Zustände, über Befindlichkeiten und auch manchmal über sich selbst, wenn man wieder mal kein Licht am Ende des Tunnels sieht. Uli Masuth sagt: „Sehen es die Deutschen doch, dann verlängern sie den Tunnel!“

Alle schönen Boshaftigkeiten unterbricht der Mann auf der Bühne mit einem exzellenten Klavierspiel, meist Klassik-Klänge, die wieder versöhnlich wirken. Dann geht es weiter. Ironie steigert sich auch mal zu Sarkasmus, wenn er die Verteidigungsministerien Ursula von der Leyen zur Kriegsministerin macht und ausplaudert, wie Waffen menschenfreundlicher werden. Er spielte auf die Drohnen an, die auf der Einkaufsliste der Ministerin stehen. Masuths Beobachtung: Waffenexporte seien besser als Flüchtlingsimporte. Angela Merkel sei eine „Kanzlerin der marktkonformen Demokratie“.

Unterschriften gegen TTIP

Der Mann aus Duisburg, der jetzt in Weimar lebt („Ich habe rübergemacht“) stichelt gegen Journalisten und behauptet: „In der Satire erfährt man mehr als im Heute-Journal“) und zum Wirtschaftsminister Gabriel fiel ihm ein: „Ist der noch Sozialdemokrat?“ und verwies auf die in rascher Folge stattfindenden Meinungsänderungen des Vizekanzlers. Ein Beispiel sei das Ringen um das Freihandelsabkommen TTIP mit den USA. „Das ist für Konzerne ein Grundrecht auf Rendite - unglaublich!“

Ja, der Kabarettist zeigte, wie es so oft in der Politik heißt, „klare Kante“. In der Pause konnte man nicht nur seine CDs von Kabarettprogrammen und Klaviermusik – der Mann ist auch Komponist – erwerben, sondern auch zum Protest schreiten und mit seiner Unterschrift gegen ein TTIP-Abkommen protestieren.

Einige wenige Besucher verließen in der Pause die Veranstaltung. Die, die das ganze Programm erlebten, gaben keinen stürmischen, aber wohl freundlichen Beifall. Nachhaltig sollte der Abend sein. Lachen ohne Schadenfreude und Reue. So war es denn auch, als man den fast bis auf den letzten Platz besetzten Veranstaltungssaal der Sparkasse in Milspe, die „Kultur-Garage“ verließ und in eine laue Sommernacht trat. Was blieb? Es gibt viele gute Nachrichten. Aber für wen?

Präsente zum Abschied

Zuvor jedoch verabschiedeten Heike Gräfe von der Sparkasse und der Kulturmanager der Stadtverwaltung, Carsten Michel, den Kabarettisten mit Präsenten. Das Duo Gräfe/Michel hatte auch mit launigen Worten den Abend eröffnet und namentlich Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen mit Frau Ilona begrüßt.