Ahlhauser Hütte soll wieder aufgebaut werden

Felix Hiege, Paul Treimer, Marcel Mönninghoff und Siegfried Gams (von links) vor dem Stollen, den sie derzeit herrichten.
Felix Hiege, Paul Treimer, Marcel Mönninghoff und Siegfried Gams (von links) vor dem Stollen, den sie derzeit herrichten.
Foto: WP

Ennepetal..  Siegfried Gams ist mit Sicherheit nicht unumstritten in Ennepetal. Vor mehr als 30 Jahren begann er mit der geologischen Heimatforschung, gründete zwei Dekaden später gemeinsam mit Professor Reinhard Döpp den Förderkreis Industriekultur. Doch Gams überwarf sich mit einigen seiner Mitstreiter, hatte Theater mit der Stadtverwaltung und ließ seine Aktivität einige Zeit ruhen. Bis jetzt. Mit 78 Jahren unternimmt er einen letzte Versuch, die früheste Ennepetaler Industriekultur wieder erlebbar zu machen. Denn unstreitig ist: Kaum jemand kennst sich im Bergbau, den Kohlewegen und der Eisenverhüttung in der Klutertstadt derart gut aus wie Siegfried Gams.

Seit Jahrhunderten stillgelegt

Felix Hiege klatscht eine Kelle Mörtel auf die Lage Bruchstein, neben ihm steht schon Paul Treimer mit dem nächsten schweren Brocken in der Hand. Einige Meter weiter behaut Marcel Mönninghoff einen weiteren Stein, der als nächstes in die Stützwand eingefügt wird, die die drei jungen Männer für den Eingang in einen alten Eisenstollen bauen. Mönninghoff ist Praktikant bei der Biologischen Station des Ennepe-Ruhr-Kreises, die beiden anderen verrichten dort ihren Bundesfreiwilligendienst. Nach genauen Anweisungen von Siegfried Gams bauen sie einen vollkommen neuen Eingang vor den seit Jahrhunderten still gelegten Stollen, der bald Fledermäusen eine neue Heimat bieten soll.

75 Meter ins Erdreich

„Die Fledermäuse sind eines unserer Hauptbetätigungsfelder“, sagt Stationsleiterin Dr. Britta Kunz. In Ennepetal gibt es bereits einige Stollen in denen die Biologen die Fledermäuse beobachten. Vor zwei Monaten trat sie auf Siegfried Gams zu und fragte, ob es noch weitere Möglichkeiten dieser Art in Ennepetal gebe. „Mir kam sofort der Stollen ins Gedächtnis, den wir vor 25 Jahren geschlossen haben“, sagt Gams, der Mitgründer der Gewerkschaft Johannes, die sich mit Biologischer Heimatforschung beschäftigte, war.

Acht Kubikmeter Erde und Geröll haben die Männer seitdem aus dem etwa 75 Meter ins Erdreich ragenden Stollen geholt, mauern den Eingang, haben ein Portal erstellt, in das sie nun noch ein eisernes Tor einbauen. „Das passt hervorragend ins Konzept“, sagt Siegfried Gams, der damit punkten will, zu zeigen, wie sehr Industriekultur und Natur im Einklang stehen. „Die Bergbauern haben ja früher auch nicht alles sinnlos durchwühlt. Sie haben sich sehr nach den natürlichen Gegebenheiten gerichtet.“

Älteste Eisenverhüttung der Region

Die waren vor knapp mehr als 400 Jahren allem Anschein nach exzellent. Denn in diversen Stollen bauten die Menschen damals Eisenerz ab. Zunächst verhütteten sie es mit Holzkohle, holzten dafür auf heutigem Ennepetaler Stadtgebiet ganze Landstriche ab, bevor sie Steinkohle zum Beispiel aus Silschede und Volmarstein kommen ließen.

Indizien, die in Verbindung mit Fakten und Unterlagen aus dem Hattinger Stadtarchiv für Siegfried Gams eine deutliche Sprache sprechen: „Lange vor den Hütten im Ruhrgebiet, war in Ennepetal spätestens 1592 die Ahlhauser Eisenhütte in Betrieb.“ Von der ist freilich nichts mehr übrig, als möglichen Standort hat Gams die Brandshauser Hammerteiche ausgemacht. Sein Traum: Die Hütte wieder aufbauen (siehe Infobox) und die vielen Stollen als Industriedenkmäler in eine Wanderroute mit Beschreibungen und Zeichnungen einbetten. Um die Menschen davon zu begeistern, will er während der Meilerwoche 2016 die Werbetrommel rühren, Erzgewinnung, Schmelzöfen sowie das Schmieden vorstellen.

Läuft alles nach seinem Plan, wäre sein letzter Versuch, die früheste Ennepetaler Industriekultur wieder erlebbar zu machen, im Alter von 82 Jahren beendet, denn in vier Jahren, so denkt er, könnte die neu errichtete Ahlhauser Hütte stehen.