AfD Ennepetal verteilt „Lied der Deutschen“

Diese Zettel mit dem „Lied der Deutschen“ auf der einen und „Die Gedanken sind frei“ auf der anderen Seite, tragen den Zusatz: „Gestaltung: AfD Ratsfraktion Ennepetal – Darf beliebig kopiert und weitergegeben werden.“
Diese Zettel mit dem „Lied der Deutschen“ auf der einen und „Die Gedanken sind frei“ auf der anderen Seite, tragen den Zusatz: „Gestaltung: AfD Ratsfraktion Ennepetal – Darf beliebig kopiert und weitergegeben werden.“
Foto: WP

Ennepetal..  Abhörskandal in den eigenen Reihen und öffentliche Ablehnung weiterer Zusammenarbeit mit dem eigenen Kreisvorstand – rund um die Ennepetaler AfD-Ratsfraktion kracht es gewaltig. Stets im Zentrum: Frank Scherie, Fraktionsgeschäftsführer und stellvertretender Sprecher des AfD-Bezirks Arnsberg. Der hat nun beim Bundesparteitag der Alternative für Deutschland für Aufsehen gesorgt, als er 2500 Liederzettel am Eingang der Essener Grugahalle verteilte. Auf der einen Seite waren diese mit allen drei Strophen vom „Lied der Deutschen“ (Deutschlandlied) bedruckt, auf der anderen Seite mit dem Lied „Die Gedanken sind frei“ und darüber in Frakturschrift: „Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder, dumme Menschen und die Antifa haben keine Lieder.“

Scherie: Alles nur ein Experiment

Journalist Pascal Hesse vom Online-Portal „Informer magazine“ berichtete als Erster darüber und veröffentlichte Fotos des Liederzettels, in dessen unterem Bereich steht: „Gestaltung AfD Ratsfraktion Ennepetal, darf beliebig kopiert und weitergegeben werden.“ Hesse berichtet: „Frank Scherie stand im Eingang der Halle und verteilte diese Zettel. Am Ende des Tages lagen sie zu hunderten auf dem Boden in der Halle und davor.“

Empörung brach aus – auch in der restlichen Ennepetaler Politik. Frank Scherie hat bereits auf der Internetseite der AfD-Fraktion aus der Klutertstadt ausführlich zu diesem Thema geschrieben. Er beschreibt es als Experiment, „um zu belegen, dass Antifa und die Grünen dumm sind.“ Ausführlich lässt er sich über die Wurzeln der beiden Lieder aus, über die Antifa und deren Verhalten am Rande des AfD-Parteitags, über den aufgedruckten Spruch, und endet mit den Worten: „Hier­mit hät­ten wir den Beweis erbracht, dass die Antifa strun­z­doof sowie die Grü­nen im Rat der Stadt Enne­pe­tal und Frei­zeit­jour­na­lis­ten bes­ser recher­chie­ren soll­ten – dann bla­miert man sich auch nicht bis auf die Kno­chen.“

Kein Fraktionsgeld verwendet

Zudem legt er Wert darauf, dass für diesen Druck kein Fraktionsgeld in Anspruch genommen wurde, was Fraktionsvorsitzender Hansjürgen Braselmann bestätigt: „Wir nehmen überhaupt kein Fraktionsgeld in Anspruch“, sagt er und fügt hinzu: „Ich habe nichts von diesen Zetteln gewusst und finde auch nicht gut, dass Frank Scherie die beiden ersten Strophen verwendet hat, aber anrüchig ist daran auch nichts.“ In der Tat ist es nicht verboten, die beiden ersten Strophen zu singen, Nationalhymne hingegen ist lediglich die dritte. Aber: Durch die Verwendung der ersten Strophe („Deutschland, Deutschland über alles...“) in Nazi-Deutschland, ist diese historisch extrem vorbelastet.

Auf Nachfrage der Redaktion weist Frank Scherie eine eigene Nähe zum Nationalsozialismus von sich. „Ich bin so konservativ, dass ich ein schwarzes Loch bin. Ich bin national-konservativ, aber ich distanziere mich von der braunen Ecke.“ Grundintention dieser Aktion der Ennepetaler AfD sei gewesen, „dass es doch schön gewesen wäre, wenn viele Leute am Rande des Parteitags ,Die Gedanken sind frei’ gesungen hätten und danach die Nationalhymne“, so Scherie. Und zu den beiden anderen Strophen vom „Lied der Deutschen“: „Wenn wir etwas drucken, dann auch komplett.“

Zoff in der AfD auch an anderer Stelle. Laut Scherie soll Kreisschatzmeister Rolf Heinrich mit „Billigung und Wissen des Kreissprechers Dr. Heidenreich“ von einer nichtöffentlichen Veranstaltung der AfD-Ratsfraktion heimlich einen Audio-Mitschnitt angefertigt haben, der laut Scherie dazu genutzt werden sollte, „parteiinterne Ordnungsmaßnahmen und Maßregelungen gegen die AfD-Ratsfraktion Ennepetal einzuleiten.“ Das Landesschiedsgericht der AfD kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Ennepetaler beendeten die Zusammenarbeit mit dem Kreisvorstand, überlegten laut Braselmann sogar eine eigene Partei „Alternative für Ennepetal“ zu gründen.

Leider war auch Kreissprecher Dr. Thomas Heidenreich und Uwe Liesche, AfD-Bezirkssprecher gestern telefonisch nicht zu erreichen.