950 000 Euro will Stadt für Schule Kaiserstraße

Auf der Satellitenaufnahme befindet sich die Schule Kaiserstraße in der Bildmitte. Das Grundstück, das verkauft werden soll, ist schwarz umrahmt.
Auf der Satellitenaufnahme befindet sich die Schule Kaiserstraße in der Bildmitte. Das Grundstück, das verkauft werden soll, ist schwarz umrahmt.
Foto: Privat

Schwelm..  Wollten Sie schon immer mal eine eigene Schule besitzen? Dann wird Sie das Angebot der Stadt Schwelm sicherlich brennend interessieren. Der flächenmäßig kleinsten Gemeinde in Nordrhein-Westfalen steht – finanziell gesehen – nämlich das Wasser bis zum Hals. Deshalb muss sie ihr Tafelsilber, wie Teile der Kommunalpolitiker in öffentlicher Sitzung einmal jüngst sagten, veräußern. Dazu gehört besagte ehemalige Volksschule, in der heute die städtische Musikschule und die Volkshochschule Ennepe-Ruhr-Süd ihr Zuhause haben. Das Mindestgebot beträgt 950000 Euro.

Auszug ist für Ende 2015 geplant

Die Sache hat für die Stadt nur einen Haken. Falls die Immobilie an der Kaiserstraße einen neuen Eigentümer findet und dieser das Gebäude auch anderweitig nutzen möchte, stehen Musikschule und VHS ohne ein Dach über dem Kopf da. Da drängt sich für den außenstehenden Betrachter der Gedanke auf, dass Stadt und Politik den zweiten vor den ersten Schritt machen wollen.

Die Planungen scheinen aber auch noch aus einem anderen Grund übereilt zu sein. Auf der Internetseite der Stadt sind auch ein Luftbild und ein Lageplan einsehbar, in dem das Gebäude samt Grundstück eingezeichnet ist, das zum Verkauf steht. Und jetzt kommt die dicke Überraschung. Demnach gehört dazu auch der ehemalige Pausenhof und der Parkour, den die Stadt erst vor gut zwei Jahren dort für rund 130 000 Euro errichten lassen hat - natürlich aus Steuergeldern. Die Freizeitfläche zwischen Schule Kaiserstraße und Jugendzentrum, auf der einst die Skateranlage stand, ist für ältere Kinder und Jugendliche gedacht, die dort dem Freiklettern über Hindernissen nachgehen können.

„Wir verkaufen die Schule inklusive Schulhof. Dazu gehört auch die Spielfläche“, bestätigte Bürgermeister Jochen Stobbe auf Nachfrage unserer Zeitung. Im Falle eines Verkaufs könnte der Hindernisparcours seinen neuen Platz auf der Freizeitanlage im Bahnhofpark/Ecke Blücherstraße finden. Der Verwaltungschef erinnerte an die Willenserklärung aus der Politik, nachdem auch rund 200 000 Euro aus dem Verkaufserlös für die einstige Grundschule Westfalendamm für den Bereich Spielplatzbau bereitgestellt werden sollen.

Die Schule Kaiserstraße soll bis zum Jahresende geräumt werden. Ursprünglich existierte ein Vorschlag der Verwaltung, wie in der Angelegenheit zu verfahren ist. Den Verkaufsbeschluss der Immobilie von November 2014 wollte die Verwaltung wegen des Unterbringungsproblems von Musikschule und VHS sogar ganz stornieren. Doch da spielte die Politik nicht mit. Sie sprach sich weiterhin für einen Verkauf des Gebäudes aus.

„Wir sind gerade dabei, den Auszug von VHS und Musikschule auf den Weg zu bringen und scannen gerade alle unsere Gebäude danach, wo noch Platz ist“, so Jochen Stobbe weiter. Künftig würden die beiden Einrichtungen wohl dezentral untergebracht, das heißt auf mehrere Standorte verteilt werden.

Die Konsequenzen aus dem Verkauf der Schule Kaiserstraße haben wahrscheinlich sowohl große Teile der Politik als auch der Verwaltung noch nicht verinnerlicht. Dem für die Spielplätze zuständigen Fachbereich „Jugend, Soziales“ war die Tragweite bis zu unserem Anruf nämlich nicht bewusst. Auch in den öffentlichen Sitzungen war der neue Parkour auf dem Schul-Pausenhof bisher nie ein Thema. Für Fachbereichsleiter Peter Eibert liegt allerdings auf der Hand, dass das Grundstück besser zu verkaufen ist, wenn sich hinter dem Gebäude kein Spielplatz befände.