48-Jähriger für Polizistenbeleidigung beim Spax-Cup verurteilt

Foto: Kurt Michelis

Ennepetal..  Jeder Fußball-Fan dürfte sich sicherlich noch an die Wut-Rede von Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni 1998 erinnern. Zitat: „Spieler schwach, wie Flasche leer!“ Ganz Deutschland lachte. Ein ziemlich ähnlicher Spruch fiel am Pfingstsonntag des vergangenen Spax-Cups im Ennepetaler Bremenstadion. Da lachte niemand.

In diesem Fall nämlich war es ein Zuschauer, der gegenüber einem Polizisten in etwa äußerte, „Du bist vom Wissen so leer wie eine Flasche“ und optisch ein leeres Mineralwasser-Behältnis zeigte. Das ließ sich der Beamte nicht gefallen und zeigte den Zuschauer an. Daher musste der 48-jährige Gevelsberger nun vorm Schwelmer Strafgericht wegen Beleidigung verantworten. Dafür hatte er nicht ansatzweise Verständnis.

Ordnungshaft angedroht

Im Gegenteil: Auf fast unerträgliche Art echauffierte sich der Beschuldigte, sprang immer wieder auf, lief einige Schritte im Saal herum und unterbrach laut und wortreich immer wieder die Fragen von Gericht und Staatsanwaltschaft, so dass der Vorsitzende Bastian Cardue entgegen seiner Natur als Verhandlungsführer sogar mit Maßnahmen wie Ordnungshaft oder Ordnungsgeld drohen musste.

Ohne weiter darauf einzugehen, die Essenz seiner Aussage: Er habe auf ein Dixi-Klo gehen wollen. Ein Beamter habe ihn zunächst abhalten wollen. Er habe sich durchsetzen können. Auf dem Rückweg sei er auf einen ihm aus anderen Vorgängen bekannten Kommissar getroffen. „Dem habe ich gesagt, dass er ein Wissen wie meine leere Flasche hat. Ist doch keine Beleidigung. Der muss einfach noch lernen.“

Der Polizeihauptkommissar hätte als Zeuge gar nicht aussagen müssen, da auch eine vom Angeklagten erstattete Anzeige gegen ihn vorliegt. Das kümmerte den Beamten wenig. Er schilderte auch die Rahmenbedingungen, denen er sich an jenem Samstag als Einsatzleiter für 13 weitere Beamten gegenübersah. „Am Vortag gab es extreme Probleme mit Ultras von Galatasaray Istanbul, Bengalos und anderer Pyrotechnik. Wir waren daher extra eingesetzt. Als der Angeklagte hinzukam, durchsuchten wir gerade einen Fan, der ein Messer dabei gehabt hatte. Wir wollten keine Eskalation, weil wir Ordnungskräfte zahlenmäßig völlig unterlegen waren. Daher habe ich mich um ihn nicht weiter gekümmert, nachdem er mich beleidigte. Er wäre sonst noch zum Wortführer der Fans geworden. In diesem Gesamtkontext aber habe ich ihn später angezeigt.“ Daraus, dass er den Gevelsberger aus früheren Einsätzen kennt, machte der Ordnungshüter auch kein Hehl.

48-Jähriger will gegen Urteil vorgehen

Letztlich waren sich Staatsanwaltschaft und Gericht einig, es handele sich um eine Beleidigung, wenn auch am untersten Rande. Richter Cardue verurteilte den renitenten Angeklagten zu 200 Euro Geldstrafe. Der Gevelsberger teilte sofort lautstark mit, am selben Tag gegen das Urteil vorzugehen.