250 zusätzliche Wohnungen in den nächsten Jahren

Schwelm..  Unsere Straßen sind in einem sehr maroden Zustand. Böse Zungen behaupten sogar, dass nur wegen der vielen Schlaglöcher im Fahrbahnbelag die Zahl der zugelassenen Geländewagen so sprunghaft angestiegen ist. Doch die Straßenbaustellen, die uns durch das vergangene Jahr hindurch geleitet haben, werden sicherlich nicht die letzten gewesen sein. Und das liegt auch an der klammen Kassenlage der Kommunen.

Straßensanierung zahlen die Bürger

Denn immer mehr Städte haben die Grundsanierung ihres Wegenetzes als willkommene Einnahmequelle für den städtischen Haushalt entdeckt. Werden die Löcher einfach nur verfüllt, geht das aus dem normalen Straßenunterhaltungsetat. Findet jedoch eine grundlegende Sanierung statt, können die Kosten bis zu 90 Prozent den Anliegern aufgebürdet werden. Hinzu kommt, dass es auch noch etliche Straßen in Schwelm gibt, die noch nicht erstmalig fertig gestellt worden sind – obwohl sie schon jahrzehntelang genutzt werden. Diese kostspielige Erfahrung mussten beispielsweise vor einigen Jahren die Anwohner der Ehrenberger Straße machen.

Doch von diesen Baustellen soll hier nicht weiter die Rede sein. Viele Wohnungsbauprojekte stehen in der Kreisstadt in den Startlöchern. Sind sie einmal verwirklicht, wird sich das Bild der Stadt gewandelt haben – und werden wahrscheinlich etliche Neu-Schwelmer die Straßen bevölkern und dem Einwohnerschwund entgegenwirken.

Auf Schwelm donnert nämlich eine richtige Neubau-Welle zu. Zählt man alle Projekte einmal zusammen, werden in den nächsten Monaten und Jahren geschätzte 250 neue bzw. neuwertige Wohnungen und Häuser auf den Markt drängen. Mit dem Einzug der ersten Mieter in das Neubaugebiet Winterberg hat es im alten Jahr zwar nicht mehr geklappt und der Sparkassenvorstand musste die aus diesem Anlass versprochenen Weihnachtsbäume nicht mehr in den neuen Häusern aufstellen. Aber immerhin 50 der insgesamt 68 Grundstücke sind verkauft bzw. reserviert.

Neubau-Welle schwappt über Stadt

Mitte 2015 sollen auch die letzten Mieter in die 24 barrierefreien Wohnungen eingezogen sein, die die Hans-Grünewald-Stiftung gerade an der Döinghauser Straße gegenüber des Evangelischen Feierabendhauses errichtet.

Der Abrissbagger an der Lohmannsgasse macht gerade die alte Pestalozzischule dem Erdboden gleich, damit dort und an der Drosselstraße die Schwelmer Firma Massiv-Wohnbau-Planungs-GmbH (MWP) mehrere Häuser mit Eigentumswohnungen bauen kann.

Auch an der Blücherstraße steht schon ein Bauschild. Auf dem 6300 qm großen Gelände des ehemaligen Marienhospitals werden, aufgeteilt auf sieben Häuser, von Frey-Bau Ennepetal 61 barrierefreie Eigentumswohnungen in mehreren Bauabschnitten errichtet. Vermutlich 2018 soll mit der zweiten und letzten Bauphase begonnen werden.

Nach dem Rückzug von Pass-Invest und mit dem Einzug der im schweizerischen Zug beheimateten Euroconcept AG gibt es nach dem politischen Desaster für die Brauerei-Brache eine zweite Chance. Seit dem 1. Januar 2015 ist die Firma neue Eigentümerin des Filet-Grundstücks. Dazu haben die Schweizer extra eine eigene Entwicklungsgesellschaft, die die Euroconcept Development GmbH mit Sitz in Konstanz gegründet. Unter dem Namen „Schwelm Centro“ sollen ca. 3300 qm neue Einzelhandelsfläche im Erdgeschoss entstehen, eine Gastronomie mit Hausbrauerei (550 qm) und natürlich in den oberen Etagen viele neue Eigentumswohnungen. In einem früheren Gespräch mit dieser Zeitung hatte Euroconcept-Verwaltungsratsmitglied Kurt Breit von einer Investitionssumme von 24 Mio. Euro und einer Bauzeit von zwei Jahren gesprochen.

Ex-Schulen werden Wohnungen

Vergessen darf man aber auch nicht die von der Stadt verkauften ehemaligen zwei Schulgebäude Südstraße und Westfalendamm. Erworben hat sie ein Investor, der sich auf die Umwandlung von (denkmalgeschützten) Altimmobilien in hochwertigen Wohnraum spezialisiert hat.

Und noch jung an Wochen ist der Beschluss der Kommunalpolitik, den alten Sportplatz an der Wilhelmshöhe zu verkaufen, damit er einer Bebauung mit Wohnraum zugeführt werden kann.

Stichwort Kunstrasenplatz: Falls die Schwelmer Fußballerwirklich einmal auf einem neuen Platz kicken, dann ist auch schon klar, dass zur Gegenfinanzierung der Rasensportplatz am Brunnen verkauft werden muss. Und was könnte darauf gebaut werden? Natürlich Wohnungen, denn sonst würde ein Investor wohl nicht den benötigtem Preis bezahlen. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass es Alt-Immobilienbesitzern Angst und Bange werden kann, wenn sie an die neue Schwelmer Mitte denken. Auch der Markt für Wohnimmobilien ist einmal gesättigt.