23-jähriger Schwelmer verliebt sich in ein Grundschulkind

Der Prozess wegen mehrerer Sexualdelikte fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Der Prozess wegen mehrerer Sexualdelikte fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Foto: Kurt Michelis

Schwelm..  Für die Öffentlichkeit und somit für die Presse war das Verfahren nach fünf Minuten zu Ende. Wegen mehrerer Sexualdelikte an Kindern musste sich ein heute 23-jähriger Kreisstädter vor dem Schwelmer Jugendschöffengericht verantworten. Wie die Anklage letztlich tatsächlich im Detail lautete und wie ein Urteil ausfiel, blieb allen verborgen.

Es ist 9.05 Uhr Saal 204 des Amtsgerichts. Der junge, etwas untersetzte Mann betritt nach Aufruf den Raum und nimmt neben seinem Verteidiger auf dem Anklagestuhl Platz.

Angst vor Presse und Fernsehen

Name, Anschrift, Alter, die Personalien werden geprüft. Dann schon stellt Rechtsanwalt Michael Kaps aus Wuppertal den entscheidenden Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit. Daraufhin kann ein Gericht entscheiden, soweit Umstände aus dem persönlichen Lebensbereich eines Prozessbeteiligten zur Sprache kommen, deren öffentliche Erörterung schutzwürdige Interessen verletzen würde.

Der Vorsitzende Richter Arnulf Arentz hakte nach und fragte den Angeklagten direkt: „Ich entnehme der Akte in der schriftlichen Einlassung durch Ihren Anwalt, dass Sie eigentlich ein Zeichen setzen wollen und an sich arbeiten. Wäre daher die Öffentlichkeit nicht gerade ratsam dazu?“ Die Antwort: „Nein. Komplett kann ich das noch nicht. Vielleicht in zehn Jahren. Wenn jetzt Presse oder Fernsehen davon erfahren, ist es zu früh. Auch Richtung Opfer gedacht. Ich habe mich schließlich in ein Grundschulkind verliebt.“

Von Verteidiger zurecht gewiesen

Bevor er weiter plaudert, weist ihn Anwalt Kaps zurecht. „Kein Wort mehr!“ Er verwies auf seinen Antrag. Staatsanwältin Dorothée Jacobi hatte keine Einwände gegen den Ausschluss der Öffentlichkeit. Nachdem sich die Richter zur Beratung zurück gezogen hatten, verkündete der Vorsitzende eben diesen. Zwei Stunden dauerte der Prozess ohne geladene Zeugen hinter verschlossenen Türen. Auch danach gab es keinerlei Informationen. Opferschutz oder Täterschutz? Auf jeden Fall ein unbefriedigendes Ergebnis.