21 Erzieher in EN gesucht

Ennepe-Ruhr..  Männer in Kindertagesstätten muss man suchen – noch jedenfalls. „Im Ennepe-Ruhr-Kreis sind nur 3,2 Prozent der Erzieher-Stellen mit Männern besetzt. Diese Zahl wollen wir deutlich erhöhen“, sagte AWo-Geschäftsführer Jochen Winter vor Verantwortlichen aus vielen Kitas im Ennepe-Ruhr-Kreis. Sie waren zur Infoveranstaltung des Projektes „Mehr Männer in Kitas – Erfolg zieht Erfolg“ in das „Pflanzhaus“ der Lebenshilfe in Witten gekommen.

Attraktive Arbeitgeber

„Wir wollen das Image des Berufes für Männer aufwerten und die Kitas als attraktive Arbeitgeber vorstellen“, nannte Projektleiter Markus Schmitz das Ziel. Dass vor allem die nordeuropäischen Länder „schon viel weiter“ sind, hat nach Winters Aussage zwei „einfache Gründe“: zum einen die deutlich bessere Bezahlung und zum anderen die Ausbildung. Außer Österreich, Schweiz und Deutschland verlangen alle EU-Länder ein Studium. „Wir brauchen eine höhere gesellschaftliche Anerkennung dieses Berufes“, forderte Winter, „Förderung, Betreuung und Pflege von Kindern bis sechs Jahren wird immer noch viel zu häufig als Fortsetzung der traditionellen Rolle der ,Hausfrau und Mutter‘ gesehen.“ Diese Rolle gebe es gar nicht mehr. Gerade weil es immer mehr Alleinerziehende gibt, brauche man Männer als „positives Rollenmodell“ in Kita und Grundschule.

Wie sehr die traditionellen Rollenmuster in den Köpfen verankert sind, machte Uwe Ihlau von der „Fachstelle Gender NRW“ deutlich: „Das biologische Geschlecht wird mit einem sozial-kulturellen Geschlecht verknüpft.“ Beim Kinderspielzeug zum Beispiel werde die Geschlechtertrennung sogar wieder stärker. Offenbar bringe die Aufteilung in „Prinzessin und Pirat“ bessere Geschäfte. „Gender“ bedeute aber keinesfalls eine Gleichmacherei von Männern und Frauen, sondern es gehe immer um Vielfalt. Markus Biank, beim Kompetenzzentrum NRW Projektleiter des „Boy’s Day“, beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der Frage, wie eine dauerhafte Bindung junger Männer an erzieherische Berufe gelingen kann.

Markus Schmitz hat inzwischen über 40 Kitas im EN-Kreis besucht. Dabei ist der Wunsch nach Vielfalt und Sicherung qualifizierter Mitarbeiter deutlich geworden. Bundesweit sind 40 000 Erzieher-Stellen unbesetzt, im EN-Kreis immerhin 21. Deshalb will er den Erzieher-Beruf bei den Berufsberatern, auf Ausbildungsmessen und bei Infotagen ins Bewusstsein der jungen Männer rücken.

Mühsame Arbeit

Dass dies eine mühsame Arbeit ist, weiß der Sozialwissenschaftler. Dass es sich trotzdem lohnt, für den Beruf zu werben, wurde in der Diskussion deutlich: Drei „Quereinsteiger“ berichteten, dass sie zunächst einen „männlichen“ Beruf erlernt hatten. Dass sie jetzt als Erzieher arbeiten, wird von den Kolleginnen, den Eltern und den Kindern sehr positiv bewertet.

Das Projekt „Mehr Männer in Kitas – Erfolg zieht Erfolg“ wird gefördert durch den Europäischen Sozialfond und die Bezirksregierung.