200 Seiten gefüllt mit Schwelmer Geschichte

Schwelm..  Nach leichter Verzögerung ist es jetzt endlich soweit: Die aktuelle Jahresgabe 2015 des Vereins für Heimatkunde Schwelm erschienen. Nur ein kurzer Blick in das bereits 64. Exemplar macht deutlich: Das Warten war es allemal wert. Auf mehr als 200 Seiten können Leser in acht faktengetreue Berichte der Schwelmer Geschichte und ihrer Personen eintauchen. Sorgfältig ausgewählt und mit Photoshop nachbereitete Fotografien, Zeitungsartikel und Dokumente machen das Lesen angenehm und versetzten in die damalige Zeit zurück.

In der vergangene Woche gaben die acht Autoren kurze Einblicke in das Vereinsmagazin und verbreiteten Vorfreude auf den Inhalt: Mit unglaublich viel Aufwand und auf mehr als hundert Seiten stellt der Autor Marc Albano-Müller den „Schöpfer des Schwelmer Eisenwerks“ vor und porträtiert damit die Geschichte der Albano-Müller-Familie seit Beginn der 1840er Jahre. In liebevoller Detailarbeit werden Familien- aber auch Firmengeschichte aufgeführt, Personen und Beziehungen charakterisiert und auf die Veränderungen von so manch bekannten Schwelmer Gebäuden eingegangen. Der Beitrag endet bei der zweiten Generation der Müllers im Jahre 1890 mit dem damals 24-jährigen Albano Müller. Dieser wird innerhalb von wenigen Jahrzehnten den Lokalbetrieb seines Vaters zu einem Großunternehmen umwandeln. Da die Herkunftsgeschichte der Familie Albano-Müller, aber auch die des Eisenwerks sehr komplex ist, dürfen sich die Leser der diesjährigen Jahresgabe auf einen zweiten Teil im kommenden Jahr freuen.

Kriegsende und Neustart in Schwelm

Einem ganz anderem Thema widmet sich Alt-Bürgermeister Jochen Stobbe.„Wir haben noch einmal von vorne beginnen dürfen“, lautet seine bewegende Rede, die er im vergangenen Jahr am 8. Mai anlässlich der 70-jährigen Gedenkfeier hielt und jetzt abgedruckt wurde. Stobbe befasst sich mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Schwelms und ihrem Ende, und warum die „Stunde Null“ auch für die Schwelmer Bürger von so großer Bedeutung war. Die abgedruckten Vorträge aus der Lesereihe „Altes neu entdeckt!“ von Doris Kübler und Jürgen Sprave nimmt zwei Schwelmer Persönlichkeiten genauer unter die Lupe. Das Leben und die Lehrmethoden von Rektor Johann Heinrich Castorff, dessen Name vielen nur noch als Straßennamenschild bekannt ist, werden beleuchtet, Briefe und sogar ein alter Stundenplan lassen diese Kurzbiografie lebendig wirken. Auch der Werdegang des Fritz Helling, ehemaligen Schulleiters des Schwelmer Gymnasiums, wird porträtiert. Der „Querdenker“ und Reformpädagoge vertrat zu seiner Zeit völlig andere Konzepte und eckte vor allem in politischen Kreisen an, sein bedeutsames Wirken sollte erst viele Jahre später anerkannt werden.

Jörn Peter Schröder’s Vortrag aus dem vergangenen Jahr über den Mediziner Christoph Wilhelm Hufeland beschäftigt sich mit dem Begründer der „Makrobiotik“ und seinen Thesen, die „das menschliche Leben verlängern sollen“. Autor Klaus Albert Höller hat den Aufenthalt König Friedrich Wilhelm III. in Schwelm in Wort und Bild festgehalten und geht auf die damit eingehenden Folgerungen, wie zum Beispiel die Verbreitung des Königsnamens bei Neugeborenen um 1815 in Schwelm und Umgebung ein. Mit schaurigem Unterton aus einem völlig anderen Genre liest sich die Arbeit von Karl-Josef Oberdick.

Diese befasst sich mit einem Schwelmer Giftmord aus dem Jahr 1911, dem langen, darauf folgenden Prozess und dem erstaunlichem Urteil des Hagener Schwurgerichts. Auf einen „geologischen Schatz“ in den Roten Bergen gehen Stefan Voigt und Volker Wrede im letzten Artikel der diesjährigen Jahresgabe ein. Sie berichten über den natürlichen Co2-See und die reichhaltigen Erzvorkommen in der vor zwei Jahren entdeckten „Schlosshöhle“ unmittelbar neben der Bahnstrecke am Martfeld. Sponsoren, Layouter und Vereinsmitglieder sind sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis des diesjährigen Magazins, vor allem die bunte und abwechslungsreiche Vielfalt konnte überzeugen.

Bürgermeisterin Gabriele Grollmann bezeichnet die Jahresgabe als wahren „Lese- und Fotoschatz“ und freut sich bereits jetzt auf das nächste Exemplar im kommenden Jahr. Bei der 65. Ausgabe soll dann erneut deutlich werden: „Geschichte gibt es überall, nicht nur in Berlin.“