1600 IG Metaller marschieren in Gevelsberg

Warnstreik der IG Metall in Gevelsberg. Clarissa Bader, Erste Bevollmächtigte der Verwaltungsstelle Gevelsberg-Hattingen, spricht.
Warnstreik der IG Metall in Gevelsberg. Clarissa Bader, Erste Bevollmächtigte der Verwaltungsstelle Gevelsberg-Hattingen, spricht.
Foto: WP

Gevelsberg..  Eine selbst für die Gewerkschaft überraschend hohe Beteiligung gab es gestern bei einer Protestkundgebung im Rahmen eines Warnstreiks der IG Metall in Gevelsberg. Nach Schätzungen der Polizei rund 1600 Arbeitnehmer aus dem Bereich der Verwaltungsstelle Gevelsberg-Hattingen trafen sich am Gewerkschaftshaus, marschierten einmal um die Innenstadt-Schleife und versammelten sich schließlich vor der Bühne auf dem Vendômer Platz.

Trommelklänge und Trillerpfeifen

Unangenehm feuchtes Wetter und Temperaturen um den Gefrierpunkt konnten die Streikenden nicht davon abhalten, in die Gevelsberger Innenstadt zu kommen. Zahlreiche an der Wasserstraße geparkte Busse waren ein Zeichen dafür. Vom Gewerkschaftshaus ging der Zug um kurz nach 10 Uhr dann los zum Rhythmus der Trommlergruppe Samba-Syndikat und dem Lärm von zahllosen Trillerpfeifen. Gegen die Kälte hatte die IG Metall ihre Mitglieder mit gestrickten Schals in den Gewerkschaftsfarben ausgerüstet.

Clarissa Bader, Erste Bevollmächtigte der Verwaltungsstelle Gevelsberg-Hattingen, fasste als Rednerin auf dem Vendômer Platz noch einmal zusammen, worum es der Gewerkschaft in dem augenblicklichen Arbeitskampf geht: „Wir fordern eine tarifliche Bildungsteilzeit, wir fordern eine bessere Altersteilzeit und wir fordern die Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütung um 5,5 Prozent.“ Die Streikenden hätten sich in Gevelsberg versammelt, weil „das sogenannte Angebot der Arbeitgeber eine Frechheit ist.“ Auf Päckchen mit Papiertaschentüchern, die von der Bühne aus in die Menge geworfen wurden, war dann auch die Aufschrift zu lesen: „Nase voll“.

Damianos Koukoudeas - Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall und Betriebsratsvorsitzender bei Hesterberg - begrüßte die Árbeitskämpfler mit Wurzeln im Ausland in ihrer Muttersprache. Dann ging der Gewerkschafter auf die Anschläge in Paris ein: „Unsere Anteilnahme gehört heute auch den Opfern und ihren Angehörigen.“ Der ehrenamtliche Funktionär verurteilte aber auch alle diejenigen, die aus den Bluttaten in der französischen Hauptstadt einen Vorteil herausschlagen wollten. Damianos Koukoudeas machte deutlich, dass alle Muslime nicht nur in der heimischen Gewerkschaftsbewegung mehr als willkommen seien.

Trotz der deutlichen Worte zur aus ihrer Sicht Verweigerungshaltung der Arbeitgeber im Tarifstreit, war die Stimmung unter den Streikenden eher positiv. Einige tanzten spontan zur Musik beim Versammeln auf dem Hof des Gewerkschaftshauses, andere hatten den Fanjubel aus Fußballstadien zur Unterstützung der Redner als Tonkonserve mitgebracht.

Notfalls wiederkommen

Einige Gevelsberger mischten sich auch unter die Streikenden auf dem Vendômer Platz, um einen Augenblick oder mehr den Argumenten der Redner zuzuhören. Verärgertes Hupen war gar nicht zu hören, als die Polizei zum Beispiel die Kreuzung am ehemaligen Horten-Haus für den Protestmarsch absperren musste. Und schließlich rief die Bevollmächtigte Bader die Menschen auf, noch einmal wieder zu kommen, wenn es denn nötig sei. „Lasst uns so viel Wirbel machen, dass sie sich bewegen müssen“, erklärte sie und meinte die Unternehmer.