Zweifel am Zeitplan
31.05.2012 | 17:35 Uhr 2012-05-31T17:35:00+0200
Emmerich. Drei Jahre lässt Investor Josef Schoofs die Kalkarer nun schon schmoren mit der Bebauung des Ortskerns. Darüber berichtete die NRZ, und das ließ auch in Emmerich die Alarmglocken klingen.
Drei Jahre lässt Investor Josef Schoofs die Kalkarer nun schon schmoren mit der Bebauung des Ortskerns. Darüber berichtete die NRZ, und das ließ auch in Emmerich die Alarmglocken klingen. Die Politiker sind beunruhigt. Einige hegen offen Zweifel, ob Schoofs sein Zeitfenster einhalten kann. 2013, nach dem Abriss des alten Kaufcenters, soll das neue Geschäfts- und Wohnzentrum errichtet werden, auch eine Passagen-Anbindung zur Fußgängerzone ist geplant. Der Rat hatte der Welasa/Schoofs-Gruppe am 5. April 2011 den Zuschlag erteilt.
Fragenkatalog der BGE
Dass das Projekt in Kalkar auf sich warten lässt, schmeckt auch CDU-Fraktionschef Gerhard Gertsen nicht, „aber ich vertraue darauf, dass seine zeitliche Ansage nach wie vor gilt“. Er sei „noch zuversichtlich, dass das in dem gesteckten Zeitrahmen zu schaffen ist“. Deswegen frage er auch regelmäßig beim Bürgermeister nach.
Das macht auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Hinze, kommt aber zu einem anderen Eindruck: „Im Moment ruht der See. Ich bezweifle, dass wir im Zeitplan liegen, was ich bedauerlich fände. Ich fände es schade, wenn es ins Stocken geriete, zumal die Planung mit großem Tam-Tam den Bürgern vorgestellt worden ist.“ Schoofs habe einen Katalog vorlegen wollen, was wann wo passiert: „Diesen Zeitplan hätte ich schon gerne.“
Umgehend auf die Hiobsbotschaft aus Kalkar reagiert hat die BGE. Fraktionschef Gerd Bartels hat Bürgermeister Johannes Diks gleich mehrere Fragen zu dem „Ankerprojekt“ gestellt. Da seit dem Ratsbeschluss bereits 14 Monate vergangen seien und man damals von einer Realisierung bis zum Jahr 2013 ausgegangen sei, bereite der BGE die augenblickliche Situation Sorgen, so Fraktionschef Gerd Bartels. Er empfinde keine Schadenfreude, auch wenn die BGE das Welasa-Projekt wegen der fehlenden Strahlkraft nur als zweitbeste Lösung angesehen habe. Hier der Fragenkatalog, der der NRZ vorliegt:
„Gibt es bereits einen Kaufvertrag zwischen der Stadtsparkasse und der Firma Schoofs?
Sind die Verkaufsverhandlungen bezüglich der städtischen Flächen abgeschlossen?
Gibt es bereits verbindliche Vertragsverhältnisse zwischen der Firma Schoofs und möglichen Mietern?
Ist der mehrfach angekündigte Baubeginn in diesem Jahr noch realistisch?
Gibt es eine neue verlässliche Situation bezüglich des Durchstiches zur Kaßstraße?
Glaubt die Verwaltung noch an eine zeitnahe Projektrealisation?“
Tut sie. Und so bleibt der Erste Beigeordnete Dr. Stefan Wachs auch gelassen: „Herr Schoofs hat uns erst in unserem letzten Gespräch vor gut drei Wochen noch einmal versichert, dass er das Projekt in Emmerich umsetzen möchte.“ Die Verwaltung jedenfalls habe seit dem Ratsbeschluss ihre Hausaufgaben gemacht (Bebauungsplan-Aufstellungsverfahren, Bürgerbeteiligung, Vorplanung zur Platzfläche, Gespräche zur vertraglichen Übereignung von Grundstücken usw.), nun sei Schoofs am Zuge. Dessen Probleme mit Kalkar mochte Wachs nicht weiter kommentieren: „Kalkar und Köln sind nicht Emmerich.“
Finanzielle Probleme?
Christoph Kukulies (FDP) vermutet finanzielle Probleme als Grund für die verdächtige Ruhe um die Schoofs-Projekte in Kalkar und Emmerich: „Ich würde mal sagen, dass er im Moment kein Geld hat. Er würde gerne, aber er kann nicht. Das ist ärgerlich.“ Für Kukulies stellt sich zudem die Frage, wie lange etwa MediMax noch zu seinem Wort steht, nach Emmerich zu kommen, wenn sich das Projekt um einige Jahre verzögern sollte. Das gelte auch für den Discounter oder die Frischearena.
Von einer „unguten Situation“ spricht Sabine Siebers (Grüne). Erst sei mit der Ratsentscheidung Druck gemacht worden, und jetzt würden auch die Grünen nur vertröstet: „Immer die gleiche Leier“, so Siebers: „Dabei wartet die ganze Bevölkerung darauf, dass das alte Center abgerissen wird.“ Die Grünen hatten Zweifel, ob Schoofs den Durchstich hinkriegt. Da sieht Siebers nun aber eine neue Option, seit Schlecker leer steht.

10:20
In einer Erzählung über die Schildbürger bauen diese ein Rathaus, vergessen jedoch die Fenster. Also bringen sie mit Säcken das Sonnenlicht ins Innere. Nun wurde offenbar eine neue Episode der Schildbürger in Emmerich geschrieben. Auch ich bin schon auf die präzisen Antworten des Herrn Bürgermeister sehr gespannt.Es wäre richtig einmal anzumerken, dass zumindest sein Informationsverhalten gegenüber der Bürgerschaft bei diesem Emmericher Leuchtturmprojekt deutliche Defizite aufweist, weil zu vieles im Dunkeln gelassen wird. Also: Bitte alle Karten auf den Tisch!
10:00
Das derzeitige Informationsverhalten seitens der Emmericher Stadtverwaltung ist - milde ausgedrückt - bei diesem Thema schon wieder einmal sehr außergewöhnlich. Keine Wunder das die Gerüchteküche vor Ort brodelt! Warum informiert der Bürgermeister nicht in jeder Ratssitzung über den Stand der Dinge? Warum wurde bis heute kein Zeitplan vorgelegt und öffentlich gemacht? Es ist doch schon lange unter den Fachleuten und in den Bankkreisen bekannt, wie die Schoofs-Gruppe als Investor mehr oder weniger geschickt agiert. Es wird seit längerem in Emmerich gemunkelt, dass in Kürze möglicherweise ein Schlüsselerlebnis mit dem Projekt Neumarkt zu erwarten ist. Da war es trotz leiser Dementis aus dem Rathaus seitens Herr Schoofs so merklich still geworden, vielleicht auch weil die Emmericher Ärzteschaft sich doch woanders wiederfinden wird. Man wundert sich nur, dass die redseligen Kommunalpolitiker so eifrig schwiegen. Gibt es schon Überlegungen im Rat zu Alternativen? Wenn ja, welche?