Zwei Brüder fahren auf Oldtimer ab

Herbert Peters (rechts) und sein Bruder Klaus sammeln Oldtimer und stellen sie in ihrem kleinen Autosalon am Löwentor aus wie diesen VW Käfer aus den 70ern..
Herbert Peters (rechts) und sein Bruder Klaus sammeln Oldtimer und stellen sie in ihrem kleinen Autosalon am Löwentor aus wie diesen VW Käfer aus den 70ern..
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Start der NRZ-Frühjahrsserie „Darauf fahr ich ab.“ Geschichten rund um alles, was Räder hat. In der 1. Folge stellen wir Herbert und Klaus Peters und ihre Veteranen vor.

Emmerich..  Wer 30 ist, gehört gemein hin noch nicht zum alten Eisen. Doch bei Kraftfahrzeugen ist das ganz anders. Wer da drei Jahrzehnte auf dem blechernen Buckel hat, der gilt bereits als Oldtimer.

Was ja auch kein Wunder ist bei der atemberaubenden, rasanten Entwicklung in der Auto-Branche, die Jahr für Jahr neue, topmoderne Modelle auf den Markt bringt. Da sieht ein Wagen ganz schnell ganz alt aus.

Aber gerade die Oldtimer haben es Herbert und Klaus Peters angetan. Die Brüder betreiben in Emmerich eine Kfz-Werkstatt und verkaufen auch Autos. Aber von den Veteranen, die sie in ihrem kleinen Autosalon ausgestellt haben, würden sie sich nie trennen: Die beiden Kfz-Meister fahren auf Oldtimer ab. Einige sind sogar über 50 Jahre alt.

Fast alle tragen über dem Grill den Mercedes-Stern. Ein wenig versteckt hinter all den großen Karossen aus dem Hause Daimler parkt der pure Kult, die Ostalgie: ein beigefarbener Trabant (Trabbi), Baujahr Mauerbau. „Das ist unser Hobby, uns interessiert vor allem die Technik“, sagt Klaus Peters, „die Oldtimer stehen nicht zum Verkauf“.

Herbert Peters erklärt: „Wenn ein Auto 30 Jahre alt ist, gibt es die H-Zulassung.“ Dann ist das Auto ein historisches Kulturgut geworden, sofern das Fahrzeug mitsamt Zubehör noch dem Originalzustand entspricht: „Rein theoretisch müsste es sogar noch die Originalfarbe tragen“.

Die Schnauferl, wie die Oldtimer ob ihres Schnüffelventil-Geräusches früher genannt wurden, werden wie andere Autos auch regelmäßig von Prüfern untersucht, die dann ein Gutachten erstellen. Schließlich ergeben sich auch durch den permanenten Parkmodus zwangsläufig Standschäden bei Batterie und Reifen. Oldtimer sind steuerlich günstiger und dürfen auch ohne Plakette in Umweltzonen fahren.

Zugelassene Autos mit H-Kennzeichen müssen alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung. „Unsere Autos sind alle H-fähig, aber da ist keines von zugelassen“, so Herbert Peters. Die Oldtimer sind zwar funktions- und fahrtüchtig, kommen aber nur noch selten an die frische Luft, weil die Sammler für Ausfahrten keine Zeit haben. Nur die weiße, prächtige Hochzeitskarosse, die gerade an einen Händler in ‘s-Heerenberg ausgeliehen ist, kommt gelegentlich noch zum Einsatz.

Herbert Peters (59) hat mit 18 den Führerschein gemacht. Die Jungfernfahrt war in einem orangefarbenen NSU Prinz: „Der hat damals 400 Mark gekostet.“ 20 Autos dürfte er bisher besessen haben. Aktuell fährt er einen blauen Mercedes Kombi.

Der erste Wagen von Klaus Peters (50), der seit 1983 die Lizenz zum Fahren besitzt, war ein Opel Kadett, auch in orange. Das war wohl damals die angesagte Farbe: „Der Wagen war zehn Jahre alt und kostete auch 400 Mark.“ Heute sitzt der Familienvater am Steuer eines Geländewagens aus Wolfsburg, nicht mehr orange, sondern schwarz.
Beider Lieblingsgefährt bei den rollenden Schätzchen ist ein dunkelroter Mercedes 200 D, „Heckflosse“, ein Klassiker. Die 70er-Jahre grüßen mit dem roten VW Käfer, letzter Käfer, der 1975 in Deutschland vom Band lief.

Kaum ein Mechaniker kann die Oldtimer heute noch reparieren. Die Peters-Brüder können es: „Die alte Technik muss man schon verstehen“, sagt Herbert Peters und schmeißt den Motor der roten „Heckflosse“ mit Lenkradschaltung an. Der Mercedes-Benz springt unüberhörbar sofort an. „Das nennt man Dieselnageln“, kommentiert Klaus Peters die Klopfgeräusche: „Der Wagen war damals schon was Tolles.“ Und robust.