Zehn Jahre Fachkraft Agrarservice

Gruppenbild im Mähdrescher: Geselle Hendrik Kerkenpaß (von links), Azubi Lars Schoofs und Markus van Beek, Betriebsleiter des Landwirtschaftlichen Lohnbetriebs der Volksbank Emmerich-Rees.
Gruppenbild im Mähdrescher: Geselle Hendrik Kerkenpaß (von links), Azubi Lars Schoofs und Markus van Beek, Betriebsleiter des Landwirtschaftlichen Lohnbetriebs der Volksbank Emmerich-Rees.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Beruf ist speziell auf Lohnunternehmen zugeschnitten. Die Azubis lernen Landtechnik, Pflanzenbau und Betriebsführung.

Haffen..  Manchmal sitzt Hendrik Kerkenpaß noch hoch oben in der Mähdrescherkabine und zieht seine Bahnen übers Feld, während seine Freunde schon um die Häuserecken ziehen und den Feierabend genießen. „Das ist kein Problem, das gehört einfach dazu“, bleibt der 19-Jährige gelassen. Gerade hat der junge Mann seine dreijährige Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice abgeschlossen – als erster beim Landwirtschaftlichen Lohnbetrieb der Volksbank Emmerich-Rees eG, der seinen Sitz am Leppersweg in Haffen hat. Mit der Vorstellung dieses Berufsbilds startet die NRZ ihre neue Serie rund um das Thema Landwirtschaft.

„Fachkraft Agarservice ist ein relativ neuer Beruf. Es gibt ihn seit genau zehn Jahren“, weiß Markus van Beek, Betriebsleiter in Haffen. Der Spaß am Schrauben, an der Technik allgemein hat Hendrik Kerkenpaß den Beruf ergreifen lassen. „Hätte ich Landmaschinenmechaniker gelernt, hätte ich die ganze Zeit drinnen in der Werkstatt verbracht. Jetzt kann ich auch ausprobieren, wie gut die Maschinen nach der Reparatur funktionieren“, freut sich der Hamminkelner.

Auch Lars Schoofs, Azubi im ersten Lehrjahr, ist von Mähdrescher, Häcksler & Co. fasziniert. Sein Interesse gilt natürlich auch dem Pflanzenschutz, der optimalen Düngung und vielem mehr. „Ein vielseitiger und daher anspruchsvoller Beruf“, ergreift Betriebsleiter van Beek das Wort. Schon deshalb, weil sich der Geselle in mehreren Bereichen der Landwirtschaft auskennen müsse. „Er muss über das Wissen eines Ackerbauers verfügen, aber auch über das eines Landmaschinenschlossers“, erklärt er.

Entstanden ist der Beruf speziell für die Bedürfnisse der Lohnunternehmen. „Hier am unteren Niederrhein gibt es vor allem Vieh haltende Betriebe, die mit der Zeit immer größer geworden sind“, erklärt van Beek. Das habe dazu geführt, dass den Bauern kaum noch Zeit bleibe, sich um ihre Ackerflächen zu kümmern. Also überließen sie dies den Lohnunternehmen. „Das heißt in der Konsequenz, dass wir Fachkräfte benötigen, die sich in Bodenbearbeitung und -bestellung, in Pflanzenschutz und Düngung, Ernte und Lagerung auskennen“, sagt van Beek. Hinzu komme, dass die Fachkraft Agrarservice in der Lage sein müsse, alle landwirtschaftlichen Maschinen zu führen, zu warten und zu reparieren – vom Rübenroder über den Mähdrescher über den Pflanzenschutzspritzer bis hin zum Traktor.

Lars Schoofs ist gerade dabei, die Reißzähne eines Miststreuers zu ersetzen. „Damit die Maschine den Mist wieder besser auseinander frisst“, erklärt der 17-Jährige. Sein Kollege Kerkenpaß fährt derweil mit dem 19 Tonnen schweren hellgrünen Mähdrescher vom Hof, um den Rest des Tages Gerste zu ernten. „Die Klimaveränderung hat dazu geführt, dass die Einsatzzeiten immer geringer werden, wir sehr produktiv arbeiten müssen“, erklärt van Markus van Beek. Das kann auch dazu führen, dass Kerkenpaß noch lange auf dem Feld zu tun haben wird. Vielleicht sogar bis zum Sonnenuntergang. „Ein Anblick, der dafür entschädigt, wenn man mal nicht pünktlich Feierabend machen kann“, findet Lars Schoofs.