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Wunderwelt Wald

01.01.2012 | 14:02 Uhr
Wunderwelt Wald
. Foto: Konrad Flintrop / WAZ FotoPool

Vrasselt.   Sigrid Ruß aus Vrasselt hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kindern Wissenswertes über die heimische Flora und Fauna zu erklären.

Wer es war, weiß Sigrid Ruß eigentlich nicht mehr. Doch was er sagte, hatte Folgen: „Im Wald hat man immer gute Laune“, gab ein Bekannter ihr einmal mit auf den Weg. „Stimmt“, kann die Vrasselterin heute sagen. Der Wald ist über die Jahre ein wichtiger Bestandteil in ihrem Leben geworden. „Mittlerweile bin ich ein echter Waldmensch“, so die 56-Jährige, die in mitten der Emmericher City aufgewachsen ist.

Schon ein einziger Baum erzählt eine Geschichte

Vor knapp 20 Jahren zog es sich nach Vrasselt. Dort lebt sie mit ihrem Mann nahe der Hetter. Gern verbringt das Ehepaar seine Freizeit in der Natur. 1999 machte Sigrid Ruß den Jagdschein. Kurze Zeit später half sie – ehrenamtlich – bei der „Rollenden Waldschule“ mit, führte natur- und umweltpädagogische Projekte in Schulen und Kindergärten durch. Ihr Wissen über den Wald weiterzugeben, liegt ihr also am Herzen. Vor allem an die Kleinsten. Daher hat sich die 56-Jährige auch zur zertifizierten Waldpädagogin fortbilden lassen – als eine der ersten Frauen in NRW.

Als nämlich für Ende Januar 2010 der erste anerkannte Zertifizierungslehrgang Waldpädagogik in NRW durchgeführt wurde, lud Andreas Schneider vom Landesjagdverband NRW die Emmericherin ein, an dem Entwicklungslehrgang teilzunehmen.

Der Lehrgang fand in Form von Tagesseminaren und Blockunterricht statt. Neben Fachwissen wie Baum- und Straucharten, Tiere des Waldes, Ökologie des Waldes mit seinen Kreisläufen und Nahrungsketten, aber auch über Aufsichtspflicht, Gesetze und Organisation, wurden auch Didaktik und Methodik vermittelt. Seither ist ihr Motto: Lehren und Lernen vom Wald im Wald. Vor allem Kinder will sie so für die Natur begeistern.

Und dafür braucht es noch nicht einmal einen echten Wald, so die Mutter von drei erwachsenen Kindern. Das kleine Stückchen Grün am Helenenbusch in Emmerich reicht schon aus. Mehr noch. „Schon an einem einzigen Baum kann man viel erklären, also Zusammenhänge deutlich machen“, weiß die Waldpädagogin.

Sie ist überzeugt: Die Natur ist ein idealer Lernort. „Denn so ein Stückchen Wald wandelt sich stetig. Bei jedem Besuch ist es hier ein wenig anders“. Heißt: es gibt immer wieder Neue s zu beobachten. Und das mache ihn auch für die Kinder so spannend – aber auch lehrreich. „Kinder lernen hier etwas über die verschiedenen Brauntöne, wenn sie die welken Blätter sehen“, so die 56-Jährige. Auch natürliche Kreisläufe, wie zum Beispiel die Nahrungskette, können hier quasi stetig beobachtet werden. Doch auch mathematisches Wissen, vermag die Natur – so ganz nebenbei – zu vermitteln. „Zum Beispiel dann, wenn ich die Kinder Jungbäume zählen lasse“.

Doch kann man in Zeiten, in denen immer mehr Reize auf Kinder – zum Beispiel in Form von Videokonsolen – einprasseln, diese noch mit so etwas Profanen wie den Wald begeistern? „Aber sicher“, weiß Sigrid Ruß zu berichten. Kinder genießen hier förmlich die Freiheit, bewegten sich automatisch wie selbstverständlich durch den Wald und entdeckten dabei immer wieder neue Dinge. „Kinder sehen den Wald einfach mit anderen Augen. Schon allein wegen ihrer Größe“, schmunzelt die Waldpädagogin.

Sie hilft dann die Entdeckungen – spielerisch – einzuordnen, Schlüsse zu ziehen und dann auch etwas daraus zu Lernen. Allerdings mit Bedacht. „Schließlich will ich nicht einfach nur stur Wissen, sondern vielmehr Freude am Wald vermitteln.“

Sarah Eul

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