Wolfgang Urbach geht in Pension

Wollfgang Urbach wird aus den Diensten des Willibrord-Gymnasiums  verabschiedet.
Wollfgang Urbach wird aus den Diensten des Willibrord-Gymnasiums verabschiedet.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Studiendirektor war 40 Jahre Pädagoge mit Leib und Seele und Herbert Ulrich sein ewiger Schatten. Jetzt tritt der stellvertretende Leiter des Willibrord-Gymnasiums einen Ruhestand an.

Emmerich..  Er leistet die letzten Unterschriften, wirft einen kurzen, prüfenden Blick auf die Klassenspiegel der Oberstufe und zeichnet die Kursmappen dann ab. Für den stellvertretenden Schulleiter hat der Countdown begonnen. In wenigen Tagen ist Wolfgang Urbach Pensionär. Man mag es kaum glauben: 63 ½ Jahre ist der schon?

Mit dem erfahrenen Studiendirektor geht nicht nur ein altgedienter und verdienter Pädagoge von Bord des Willibrord-Gymnasiums. Sondern auch ein Stück Schulgeschichte, die Urbach in 40 Jahren hautnah mitgemacht und mitgestaltet hat. Es waren aufregende Zeiten: „Ich habe schulpolitisch so einiges erlebt.“

Wolfgang Urbach wurde zwar in Düsseldorf-Oberkassel geboren, „aber ich fühle mich als Emmericher, bin mit zweieinhalb Jahren in den Aldegundis-Kindergarten zu Frau Rasch gekommen“. Dann Leegmeer- und Aldegundisschule. Nach dem Abitur am Jungengymnasium war er Studienreferendar am Mädchengymnasium Parkring: „Mein erster Ausbildungslehrer war Herbert Ulrich.“ Ihm sollte er in der Folge noch öfter begegnen.

An der Johanna-Sebus-Schule in Kleve wurde Urbach erster Klassenlehrer einer gemischten Klasse, war also ein Vorreiter der Co-Education: „Das lief problemlos, die Jungen waren noch in der Minderheit.“ Nach diesem Intermezzo auf der „gönne kant“ kehrte Urbach nach Emmerich zurück und unterrichtete am Willibrord-Gymnasium, damals an der Paaltjessteege: „Da traf ich wieder auf Herrn Ulrich, der stellvertretender Leiter war.“ Und noch ein Wiedersehen gab’s: Die „Penne“ hatte auch ein Gebäude in der Aldegundisschule.

In der Wende-Zeit in Warschau

Urbach wurde Zeitzeuge großer Schulkämpfe, machte den ersten Anlauf zur Errichtung einer Gesamtschule in den 80er-Jahren ebenso mit wie die Zusammenlegung der Gymnasien. „Ich bin mit zur Hansastraße umgezogen“, erinnert er sich. In der Wende-Zeit war er für ein Jahr vom Land nach Warschau abgeordnet, um am Goethe-Lyzeum Deutsch zu unterrichten. Eine Zeit, die ihn nachhaltig prägte.

Nach seiner Rückkehr an den Niederrhein war er Oberstufen-Koordinator am Johanna-Sebus-Gymnasium in Kleve: „Da saß dann auch wieder Herr Ulrich als Schulleiter.“ Ihn löste er 2008 ab, um die Schule abzuwickeln.

Das Emmericher „Willi“, dessen Vize-Chef er seit 2009 war, sollte die letzte Station für den Lehrer werden, der unzählige Schülergenerationen in Deutsch, Geschichte und Sozialwissenschaften unterrichtete: „Mir hat es immer Spaß gemacht.“ Urbach hat in 40 Jahren viele Lernmethoden kommen und verschwinden sehen. „Wir haben zuviel verabsolutiert“, sagt Urbach kritisch, und da schwingt auch der engagierte Liberale mit: „Einiges war an jeder Methode richtig.“ Der gesunde Mix aus Lernzielen und Kompetenzen sei tägliche Praxis.

Was bleibt? Auf jeden Fall die Vielfältigkeit der Schüler und Kollegien. Am schwarzen Brett in seinem Noch-Büro findet sich gleich mehrfach das Motto: „Vielfalt tut gut“. Wolfgang Urbach hat sie kennengelernt. Die neue private Zukunft dürfte ähnlich bunt ausfallen, Enkel Ole (2) inbegriffen.