Wo trifft man sich auf ein Glas Wein?

Rees..  Gestern meldete sich ein Leser am NRZ-Telefon. Karsamstag erhielt der Reeser einen Anruf von Freunden, die er seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hatten. „Wir sitzen gerade hier in Rees beim Essen und würden uns gerne später mit euch auf ein Glas Wein treffen“, sagten die Bekannten, die spontan einen Kurzurlaub in Rees angetreten hatten. Am anderen Ende des Telefons entstand nachdenkliches Schweigen. Natürlich gibt es zahlreiche Speiselokale in der Innenstadt, doch wo gibt es gegen 22 Uhr noch ein gemütliches Lokal, nur um einen Wein zu genießen? „Fußläufig, denn wir wollten schließlich noch etwas trinken.“ Fehlanzeige, in Rees ist abends tote Hose. Der NRZ-Leser sieht darin einen touristischen Schwachpunkt. „Wir hören oft, dass sich insbesondere Besucher, die eine Ferienwohnungen gebucht haben, ärgern, dass sie in Rees nirgendwo abends einkehren können, ohne speisen zu wollen.“ Anders sähe das in den Sommermonaten aus, wenn die Außengastronomie geöffnet hat.

Darum appelliert er an die Investoren auf dem Niag-Gelände, hier ein gemütliches Lokal zu schaffen, das, so meint er, eine echte Chance habe. „Abends, wenn es dunkel ist, muss man nicht zwangsläufig am Rhein sitzen, denn den sieht man dann eh’ nicht mehr“, argumentiert der Reeser. In diesem Zusammenhang berichtete er von einem witzigen Fund, den er in seinem privaten Archiv gemacht hat. „In den 80er-Jahren war die Tourismuswerbung viel freier“, weiß er und zitiert einen NRZ-Beitrag aus dem Jahr 1982. Darin pries das Amt für Wirtschaftsförderung und Fremdenverkehr im Kreis Kleve Kurz-Urlaube am Niederrhein an, wie Schlemmerwochenende, Radwandertage und die „Drei-Tage-Tour nur für Herren mit heißem Tipp für Nachtschwärmer“. In diesen Etablissements, „und von denen gab es zahlreiche in Rees“, erzählte der NRZ-Leser schmunzelnd, wurde zur nächtlichen Stunde weniger Wein als kostspieliger Sekt gereicht. Aber auch diese Nachtlokale gehören der Vergangenheit an. Was kaum jemand bedauert,