Wenn „Moby Diks“ im roten Frack vornweg fährt

Beim Narrenzug durch die Emmericher City kam auch der Nachwuchs nicht zu kurz.
Beim Narrenzug durch die Emmericher City kam auch der Nachwuchs nicht zu kurz.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Mehr als 20 000 Narren feierten bei bestem Wetter einen gelungenen Tulpensonntagszug in der Emmericher City. Fußball-Botschaften setzten Ausrufezeichen.

Emmerich..  Der „Wahlhai“ hatte sich fürstlich gewandet. Roter knielanger Frack, weiße Handschuhe, Strumpfhose und die federfreundliche Dreispitzmütze sorgten für einen adligen Touch. Dazu hatte sich Bürgermeister Johannes Diks einen samtenen Thron, natürlich auch in Rot, auf seinen Startwagen setzen lassen. Der oberste Emmericher fuhr gestern um exakt 11.11 Uhr beim Tulpensonntagszug ganz geck vornweg. Durfte sich dabei einer vortrefflichen Rückendeckung sicher sein. Zumindest satte zwei Stunden lang.

Die „Bengels vonne Grenze“, an Position 20 platziert, hatten ihr Schiff nämlich einem riesenhaften Meeresherrscher gewidmet. Der am 13. September seine Nummer-Eins-Position im Aquarium Rathaus behaupten will. Moby Diks, der als „Wahlhai“ sämtliche Konkurrenten aus SPD, Grüne, FDP, BGE und Embrica aussehen lässt wie kleine Zierfischchen, ist für die Bengels offenbar nicht vom Thron zu stoßen.

Die 49 Hausnummern üppige bunte Schlange aus Raubtieren, Hühner, Schlümpfen, Bienen, Rentieren, Piraten, Landeiern, Schotten und Venezianern, die sich vom Geistmarkt über die Steinstraße, die Kaßstraße und wieder zurück ihren Weg bahnte, entpuppte sich alles andere als ein kleiner Fisch. Mehr als 20 000 Narren säumten Emmerichs City. Und stellten so lautstark unter Beweis, dass es nicht nur in Düsseldorf, Köln oder Mainz richtig närrisch zugehen kann.

Pferdesattel auf der Theke

„Party, Power, Charme und Chic“, das Motto zum 44. GECK-Geburtstag wurde auch mit dem Zug perfekt umgesetzt.

Party feierten vortrefflich die Kumpels ’92. Mit Wild Wild West im Planwagen. Auf der becher-beladenen Getränketheke schlummerte natürlich, stilecht, auch ein schöner Pferdesattel aus Leder.

Power? Verbreiteten unter anderem die Freunde der elektronischen Tanzmusik. Auf dem Wagen mit dem Motto „Die Welt tanzt“ fuhr nicht nur eindringlich laute „Mucke“ mit. Auch eine Nebelmaschine arbeitete hartnäckig. Alle Nationen unter einem Dach barg eine kleine politische Botschaft an jene, die in aller Welt Leid der Freud vorziehen.

Charme besaßen die Dornicker Kühe, die sogar Milchbütten, Äpfel und Orangen mitgebracht. Auch die Space-Friends in Silber und Blau, die DJK-Funkenmariechen, Heeldens Landeier oder die rot-schwart karierten Schotten vom Motorrad-Club mit Baretts und einem Bürgchen auf dem Zugwagen waren für den Sympathiepreis nominiert.

Chic hatten die GECK-Frauen für sich verbucht. Mit spitzlangen Nasenmasken, bodenwallenden Kleidern und vornehmen Schirmchen schritten die Venezianerinnen vor dem rot-weißen Komiteewagen mit Sitzungspräsident Bernd Schugt auf der Kanzel her. Es war schlicht eine Augenweide. Prinz Michael II und seine Kathi I. konnten sich da als „Schlussläufer“ in Wagen 49 anstrengen, wie sie wollten.

In den Farben von Mardy Gras

Allenfalls die Zumba-Fun-Frauen mit ihren weit geschnittenen Umhängen, die effektvoll über lange Stäbe an den Armen geschwungen wurden, konnten GECKs Venedig-Interpretation das Wasser reichen. In den silbrig-glänzenden Mardy-Gras-Farben Grün, Lila und Gelb hätte die tanzsportliche Gruppe von Brigitte von der Aa selbst im Mississippi-Karneval von New Orleans gute Chancen gehabt, mitlaufen zu dürfen.

Fußball stand zwar nicht im gecken Programm. Jedenfalls nicht explizit. Dennoch setzte der populärste Sport des Planeten, der seit langem sozial als einer der wenigen tauglichen Klebstoffe der Gesellschaft gilt, gestern in Emmerich kleine Ausrufezeichen.

Die Landstreicher, im gelb-schwarz gestreifen Kicker-Dress unterwegs, verbuchten den bissigsten Tulpensonntagszug-Kommentar für sich. An der Wagenwand war links ein katarischer Scheich, rechts Russlands Präsident Putin und in der Mitte der FIFA-Cheflenker Blatter zu sehen. Dem Schweizer Fußball-Oberhaupt quollen angesichts der umstrittenen WM-Vergaben für die Turniere 2018 und 2022 die US-Dollar-Noten seiner Handelspartner geradezu aus den Ohren.

Die Rheingötter erinnerten mit Deutschland- und Brasilien-Flaggen an das jüngste Weltmeister-Glück. Hatten aber eine andere Botschaft als nur die Jubelarie auf Jogis Jungs zu verkündigen: „Rassenhass und Krieg verschwindet, wenn Fußball unsere Welt verbindet!“