Wenn einem die Anzeige verweigert wird

Emmerich..  Für viele ist’s keine erbauliche Vorstellung, auf einer Polizeiwache zu hocken. Doch es gibt Ausnahmen. Einen 37-jährigen Emmericher beispielsweise. Der verharrte am 11. August 2014 so lange in der Wache am Geistmarkt, bis ein Wagen des Ordnungsamtes vorfuhr. Grund der Salzsäulenhaltung, die in Hausfriedensbruch plus Strafbefehl mündete: Ein Polizeibeamter wollte eine Anzeige des Emmerichers gegen unbekannt wegen eines geklauten Fahrrads nicht aufnehmen.

Weil der Angeklagte gegen seinen Strafbefehl über zehnmal zehn Euro Widerspruch eingelegt hatte, musste gestern Vormittag das Amtsgericht an der Seufzerallee tätig werden. Richterin Dr. Christiane Schmitz war angesichts einer reichlich kruden Geschichte des gelernten Karosseriebauers nicht zu beneiden.

Der wollte einen Fahrrad-Diebstahl aus dem Jahr 2012 zur Anzeige bringen. Mit zwei Jahren Verspätung. Der geschiedene Hartz-IV-Empfänger hat seine Ex-Frau in Verdacht: „Die hat meiner zwölfjährigen Tochter auch verboten, mich zu sehen. Obwohl sie zur Hälfte der Zeit bei mir sein sollte.“

Der Angeklagte gab an, regelmäßig bei der Polizei vorzusprechen. „Jemand hat meinen Computer und Fernseher zerstört. Ich bin vom Nachbarn verprügelt worden. Weil ständig jemand von oben gegen meine Decke geklopft hat, konnte ich monatelang nicht schlafen. Die vergangenen vier Jahre waren die Hölle.“ Doch alles lief, so sah es gestern aus, bei der Polizei ins Leere.

„Beim Fahrraddiebstahl hatte ich nun das Gefühl, der Polizist meint, ich sei ein Verrückter“, betonte der Angeklagte. Der als Zeuge befragte zuständige Wachbeamte erklärte: „Er ist jedem Detail zum möglichen Diebstahl irgendwie ausgewichen. Da war nicht klar, dass eine Straftat vorliegt. Es stand dann im Raum, ob für ihn eine Einweisung in Frage kommt.“ Was aber verworfen wurde.

Richterin Schmitz mochte gestern trotz 40 wirrer Minuten die Akte nicht mit Sozialstunden für beendet erklären. Zumal der Angeklagte bekräftigte: „Mein Fahrrad ist geklaut und ich soll dafür nun arbeiten?“

Schmitz betonte: „Ich halte es für sinnvoll, die Sache aufzuklären.“ Am 4. Mai geht es mit jenem Polizeibeamten als Zeugen weiter, der sich geweigert hatte, die gewünschte Anzeige zu Papier zu bringen.