Was wollen die Emmmericher in der baltischen Pampa?

Der Niederrhein und Emmerich im Nordostwinkel haben Touristen aus nah und fern so einiges zu bieten. Radurlaubern, Campern, Wanderern, aber auch den an Kultur Interessierten. Dennoch ist der Niederrhein in punkto Fremdenverkehr immer noch ein schlafender Riese. Längst sind noch nicht alle Potenziale dieser attraktiven Freizeitregion ausgeschöpft. Da ist noch viel gute Luft nach oben.

Die Region hat selbst noch so einige Hausaufgaben zu machen, um ihre Attraktivität weiter zu erhöhen, etwa bei den Hotels. Die Ferienwohnungen machen es vor: Sie boomen, auch in Emmerich. Um den Niederrhein gerade für Kurzurlauber noch bekannter zu machen, ist es sinnvoll, auf großen Tourismusmessen wie in Berlin, Essen oder Utrecht die Werbetrommel zu rühren.

Was für Freizeit und Tourismus gilt, gilt auch für die Wirtschaft. Denn auch da ist der Niederrhein ein weißer Fleck auf mancher Unternehmenskarte. Bei der Logistik hat sich dies in Emmerich durch das Zugpferd BLG verändert, das ist schon eine Hausnummer. Firmen siedeln sich – neben den ökonomischen Rahmenbedingungen – um so eher an, wenn auch die verkehrliche Anbindung (Straße, Wasser, Luft) optimal und auch das Freizeit- und Bildungsangebot okay ist. Insofern spielen bei Standortentscheidungen von Firmen mehrere Faktoren eine Rolle. Auf Messen vertreten zu sein, ist aktive Wirtschaftspolitik.

Welchen Gewinn dagegen die Stadt Emmerich aus der Reise einer kleinen Delegation zum Hansetag in der baltischen Pampa zieht, erschließt sich auf den ersten Blick nicht. Bei wem will man Reklame für Emmerich machen? Wer kommt da hin außer den offiziellen Hanse-Delegationen? Viljandi liegt im Süden von Estland und hat rund 18 000 Einwohner. Denen dürfte ziemlich schnuppe sein, wo Emmerich liegt.

Fahrten zu Hansetagen in den benachbarten Niederlanden oder in England, die Besuche in Partnerstädten schön und gut, aber dass der Bürgermeister und sein Kulturamtsleiter fast eine Woche fort sind, das muss nicht sein.