Von Opfern eines blutigen Zeitalters

Lauro Martines entwirft in seiner Studie „Blutiges Zeitalter – Krieg in Europa 1450 -1700“ ein blutiges Panorama der frühen Neuzeit. Ihn interessieren die Opfer, wie auf dem Rücken der Zivilbevölkerung die Schlachten ausgetragen wurden. Und nicht so sehr die Motive der Könige, Feldherren, Diplomaten und Politiker. Jener Drahtzieher, die Armeen hin und her schoben, sich in ihrer Eroberungsgier zunehmend Söldnerheere bedienen mussten, die Unsummen verschlangen. Was wiederum dazu führte, dass aus den Bürgern noch mehr Steuern und Abgaben herausgepresst wurden.

Wobei es den Soldaten oft nicht besser ging. Sie warteten meist vergeblich auf ihren Sold und hielten sich deshalb an der Bevölkerung auf dem Land und in eroberten Städten schadlos. Martines reiht diese Exzesse präzise aneinander, unter denen Zivilisten zu leiden hatten. Es war ein schier nie enden wollendes Inferno aus Ausbeutung, Plünderung, Gewalt, Hunger, Krankheit und Tod.

Ob der ruhmsüchtige Sonnenkönig Ludwig XIV. je einen blassen Schimmer davon hatte, wie grausam sich seine Armeen in kleinen Marktflecken und Landgemeinden gebärdet haben?

Lauro Martines: Blutiges Zeitalter. Europa im Krieg 1450-1700, Theiss-Verlag 2015, 29,95 Euro.