Von Flüchtlingen und Feuerpausen

Das Foto zeigt die Krippenfeier an Heiligabend mit Pfarrer Bernd de Baey in der Kirche St. Antonius in Vrasselt.
Das Foto zeigt die Krippenfeier an Heiligabend mit Pfarrer Bernd de Baey in der Kirche St. Antonius in Vrasselt.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Pastoralreferent Matthias Lattek erinnerte an den Weihnachtswaffenstillstand 1914. Der evangelische Pfarrer Dr. Neubauer ermunterte zum Gottesdienstbesuch.

Emmerich..  Heiligabend bei sieben, acht Grad - richtige Weihnachtsstimmung konnte da nicht aufkommen. In der katholischen Hauptkirche St. Aldegundis zelebrierte der neue Stadtpfarrer Bernd de Baey die Christmette. Die Predigt hielt Pastoralreferent Matthias Lattek.

In den Fürbitten wurde sowohl für die Flüchtlinge gebetet als auch für die, die sie aufnehmen und jene, die Angst vor den Fremden haben. Die Chorgemeinschaft gab in der „olde kerk“ Weihnachtslieder aus aller Welt zum Besten, auch in den anderen Kirchen zwischen Elten und den „Südstaaten“ erklang an diesem Abend festliche Musik.

Ganz anders war es vor 100 Jahren: 1914, erste Kriegsweihnacht. An einigen Abschnitten der Westfront in Frankreich und Flandern, wo sich britische und deutsche Truppen kampfbereit gegenüber stehen, schweigen Heiligabend die Waffen, siegt für einige Momente die Menschlichkeit. Die verfeindeten Soldaten verlassen ihre sicheren Schützengräben, pflanzen Kerzen auf, singen gemeinsam Weihnachtslieder und tauschen Tabak, Schokolade, Bier. Ja, sie sollen sogar ein wenig gekickt haben, alles ohne Erlaubnis der Vorgesetzten.

Dieser legendäre „Weihnachtsfrieden“ bildete für Matthias Lattek den Ausgangspunkt seiner Predigt. Heute herrsche zwar Frieden, „gegenseitige Ressentiments und die Sehnsucht nach Frieden kennen aber viele von uns“, sagte er. Die Feuerpausen Ende 1914 hielten nur kurz an, dann drehte sich die Spirale der Gewalt fürchterlicher denn je. Insofern sei dieser Weihnachtswaffenstillstand kein gutes Beispiel für die Kraft des Friedens, aber doch ein realistisches. „Manch ein Aufeinander-Zugehen und manch ein Versuch, Frieden zu schaffen, ist nicht unmittelbar von Erfolg gekrönt. Ich bin mir aber sicher, dass die ehrlichen Schritte des Friedens erkennbar sind, auch wenn sie zur Not noch ein zweites oder drittes Mal gegangen werden müssen.“

Der evangelische Pfarrer Dr. Martin Neubauer stellte die Frage: „Sind wir Menschen von heute noch im Stande, Jesus als Gott anzuerkennen? Mit Sicherheit, denn wir sind nicht anders als die Menschen, die es damals, vor Bethlehem, taten. Gemeint sind die Hirten. Sie waren wie du und ich. Trauten dem Außergewöhnlichen nicht und glaubten auch dem Engel kaum. Die Hirten mussten zuerst hingehen und alles mit eigenen Augen sehen. Wenn keinem anderen, dann können wir ihnen bestimmt vertrauen, denn sie waren einige von uns. Wir müssen keinem Stern folgen, um unseren Glauben zu zeigen. Der Besuch eines Gottesdienstes reicht schon aus!“