Von „Feder“ und „Flötchen“

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Emmerich..  Der Schriftsteller und Zeichner ist ausgiebig gewürdigt worden. Dass Günter Grass auch Musik gemacht hat, wird kaum beachtet. Hat er aber. Als er in den Wiederaufbaujahren in Düsseldorf studierte. Da trat er mit seiner Jazz-Combo in Altstadt-Kneipen auf. Einer aus dem Trio war der Emmericher Maler, Vagabund und Lebenskünstler Horst Geldmacher, der viele Lokale ausstaffierte. Grass, Spitzname „Feder“, spielte Schlagzeug und Waschbrett, Geldmacher, genannt „Flötchen“, Blockflöte und Dudelsack, Günther Scholl das Banjo.

Literarisches Denkmal

Von 1951 bis 1954 bezogen Grass und Geldmacher eine gemeinsame Dachgeschosswohnung, bis Grass 1954 nach Berlin zog. Literarisch aufgearbeitet hat Grass das alles andere als einfache Miteinander in der „Blechtrommel“. Egon Münzer alias Klepp war kein anderer als sein Mitkommilitone, „ein dicklich fauler, trotzdem nicht unbeweglicher, leicht schwitzender, abergläubischer, ungewaschener, dennoch nicht verkommener, stets am Sterben verhinderter Flötist und Jazzklarinettist“. Horst Geldmacher revanchierte sich für so manch unfeine Zeile in seinem prämierten Jazzbilderbuch „O Susanna“, wo Grass als Letzter auf der Himmelsleiter danebentritt und mit dem Fuß auf einem Sägeblatt landet.

Zu spätem Ruhm verhalf Grass dem inzwischen verstorbenen Geldmacher in seinem 2006 erschienenen Buch „Beim Häuten der Zwiebel“. Da erscheint Horst Geldmacher in einem freundlicheren, vielleicht auch von Altersmilde geprägten helleren Licht. Grass nennt Geldmacher mehrfach einen „Freund“.