Von Eritrea nach Emmerich - Der lange Weg junger Flüchtlinge

Die in Emmerich aufgegriffenen Jugendlichen müssen von der Stadt ungebracht werden.
Die in Emmerich aufgegriffenen Jugendlichen müssen von der Stadt ungebracht werden.
Foto: picture alliance / dpa
Was wir bereits wissen
Immer mehr minderjährige Flüchtlinge werden auf dem Emmericher Stadtgebiet aufgegriffen. Das Jugendamt hilft etwa bei der Suche nach einer Bleibe.

Emmerich.. Von Eritrea nach Emmerich hat er es geschafft. Allein. Ohne Freunde. Ohne Familie. Ein ganzes Jahr hat er für die über 8000 Kilometer gebraucht. Er musste zu Fuß ins Nachbarland Äthiopien laufen, wurde dann mit einem Schlepper per Lastwagen in den Sudan gebracht. Weiter ging es nach Libyen. Von dort auf einem Boot mit 300 weiteren Flüchtlingen gepfercht, über das Mittelmeer nach Italien. So hat es der Minderjährige den Beamten der Bundespolizei und der Emmericher Jugendhilfe berichtet.

Viele überleben diese Reise nicht, die sie meist aus blanker Not antreten, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Die Gefahr ist enorm, zu ertrinken oder aufgegriffen und zurückggeschickt zu werden. Der Junge aus Eritrea aber hat es geschafft: Mit dem Zug kam er von Italien nach Frankreich. Dort wurde er erneut in einem Lastwagen versteckt und über die nächste Grenze gebracht - hinein nach Deutschland. An der Endstation Emmerich strandete der junge Flüchtling aus dem nord-östlichen afrikanischen Staat. Elternlos und unter 16 Jahre alt. Und nun?

Viele Flüchtlinge sind traumatisiert

Im Beamtendeutsch werden diese Asylsuchenden als „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ bezeichnet. „Mit diesen hat die Jugendhilfe in Emmerich schon immer zu tun gehabt“, so die kommissarische Leiterin des Jugendamtes, Gaby Niemeck.Während es vor 2009 nur vereinzelte Aufgriffe gab, hat die Zahl mittlerweile zugenommen. Abhängig ist die Anzahl dabei von der Aufgriffspraxis der Bundespolizei und des Bundesgrenzschutzes. Sie kontrollieren oft in unterschiedlichen Abständen. Zumeist werden die alleinreisenden Kinder und Jugendlichen an der Grenzstation Elten oder in Zügen von beiden Behörden in Gewahrsam genommen. „Dann wird das Jugendamt informiert und gebeten, die jungen, traumatisierten Flüchtlinge unterzubringen“, so Niemeck.

Wo die Flüchtlinge ankommen, fallen sie in den Zuständigkeitsbereich des dortigen Jugendamtes. So wie auch der Junge aus Eritrea, dessen Eltern 5000 Euro an eine Schlepperbande bezahlt hatte, damit der Junge nicht zum Militär musste. So berichtet er es jedenfalls.

Vernehmung mit Hilfe von Dolmetschern

In der Regel sind die jugendlichen Flüchtlinge zwischen elf und 16 Jahre alt, wenn sie unter anderem von der Bundespolizei an der niederländischen Grenze auf Emmericher Gebiet erwischt werden. „Sie sprechen dann kein Wort Deutsch, manchmal gebrochenes Englisch“, weiß Niemeck.

Um mehr über die Aufgegriffenen zu erfahren, werden Dolmetscher eingesetzt. Ist die Vernehmung vorbei – kümmert sich das Emmericher Jugendamt, sucht eine Bleibe. In der Vergangenheit habe man mal einige Aufgegriffene im hiesigen Kinderheim untergebracht. „Doch eigentlich arbeiten wir vorrangig mit zwei Einrichtungen in Wuppertal zusammen“, so Niemeck. Zwei in diesem Jahr aufgegriffene Kinder blieben sogar in einem Kinderheim im Kreis Kleve. Hier werden die Kinder und Jugendlichen, die traumatisiert sind und daher andere Bedürfnisse haben, bestens versorgt.

„Sie lernen schnell, sind strebsam“, hebt Niemeck hervor. Die Kosten für eine Heimunterbringung belaufen sich auf 50.000 Euro jährlich. Verbunden mit einem hohen bürokratischen Aufwand werden diese Kosten aber erstattet. Generell, so resümiert Niemeck, laufe die Betreuung in den Einrichtungen problemlos.

Vier Erfolgsgeschichten

Angeregt durch das Emmericher Jugendamt, bekommt dann jeder junge Flüchtling auch einen Vormund hier in Deutschland. Da sie früh selbstständig sind, geht es aber zumeist mit 17 Jahren in eine eigene Wohnung – dieser Schritt wird dann noch einige Zeit von Fachkräften begleitet. Zumindest vier Flüchtlingen, die ohne Eltern in Emmerich aufgegriffen wurden, ist dieser letzte Schritt zu einem selbstständigen Leben in Deutschland geglückt.