Von der Schulbank weg für den Chor engagiert
13.01.2009 | 13:16 Uhr 2009-01-13T13:16:00+0100
Nachwuchspflege annodazumal. Auch Johannes Wellen wurde so mit 13 Jahren angeworben.
Nachwuchspflege war früher ganz einfach. Und höchst erfolgreich. Da schritt der Herr Pastor in den Volksschulklassen durch die langen Bankreihen und entschied: Du und Du und Du singst im Chor!
An diese Zeiten kann sich auch Johannes Wellen noch bestens erinnern. Erst 13 Jahre war er alt, als der damalige Speelberger Pfarrer Holtrup auch ihn ausguckte. Zum Glück, denn damit war eine Musikerkarriere vorgezeichnet, die ihm schon in die Wiege gesungen wurde.
Immer genügend junge Stimmen
Denn Vater Hans Maria Wellen, aus Hagen stammend, war selbst ein „Musicus”. Sein Sohn erinnert sich: „Ich sang zuerst im Alt, weil ich den Stimmbruch noch vor mir hatte, dann Bass und schließlich Tenor.” Dank des pastoralen Auswahlverfahrens hatte der Speelberger Chor immer genügend junge Stimmen.
Heute leitet Johannes Wellen den Kirchenchor Liebfrauen in Speelberg. Die Methoden der Nachwuchswerbung haben sich geändert, doch der Chor, der in diesem Jahr sein 75-jähriges Jubiläum feiert, profitiert bis heute vom frühen Heranführen talentierter Stimmen und kann auch heute noch immer wieder für einigen Nachwuchs sorgen.
So sind viele Sängerinnen und Sänger schon in einem recht fortgeschrittenen Alter. Aber bis heute gut bei Stimme. So gut, dass sich die annähernd 40 Mitglieder – zu den Spitzenzeiten in den 80er Jahren waren es 55 – wieder an das anspruchsvolle „Große Halleluja” von Dyckerhoff herantrauen, das der Chor mit Begeisterung und Erfolg beim Stadt- und Kirchjubiläum 1983 zum Besten gab. Diese Festmesse soll am Sonntag, 8. November, wieder in Liebfrauen aufgeführt wird. Johannes Wellen baut darauf, dass auch einige Gastsänger dem Chor im Jubiläumsjahr die Ehre erweisen. Auf diese Weise können auch weitere Kontakte geknüpft werden auf dem Weg zu einem gemeinsamen Chor für die St. Christophorus-Gemeinde. Die Fusion mit dem Chor von Heilig-Geist und der Chorgemeinschaft St. Martini/St. Aldegundis soll 2011 Realität werden.
Bereits Ostersonntag um 11 Uhr führt der Cäcilienchor die Casali-Messe mit Instrumentalbegleitung auf. „Außerdem habe ich vor, verstärkt liturgisch zu arbeiten”, sagt Wellen. Die ganze Bandbreite will er seinen vertrauten Stimmen entlocken, auch moderne Chorsätze. Denn der Speelberger Kirchenchor schöpft aus einem beeindruckenden Repertoire von über 300 Chorsätzen und Motetten plus die großen Messen von Schubert, Mozart, Haydn und so weiter: „Von der Renaissance bis zur Moderne”, so Wellen, „aber im Mittelpunkt steht ganz klar die liturgische Arbeit”.
Gründerin Elisabeth Bruckmann
Auch würde Johannes Wellen gerne eine „Erfindung” seines Vaters Hans Maria, der den Chor 1964 von der lange prägenden Gründergestalt Elisabeth Bruckmann übernahm und bis 1992 leitete, wiederaufleben lassen. Das sind die Speelberger Abendmusiken. „Mein Ziel ist, ab Februar jeden Monat einen Gottesdienst zu gestalten, weil wir so viel Literatur haben, warum soll sie brach liegen?”
Das hohe „a” klappt immer noch
Speelberger Kirchgänger erinnern sich gewiss noch daran, dass in den 70er und 80er Jahren nach der samstäglichen Vorabendmessen noch eine halbe Stunde sakrale Musik „dran gehängt” wurde, manchmal auch in Begleitung, zum Beispiel des Kammerorchesters oder anderer Gäste.
„Wir haben ein hohes Leistungsniveau für das Alter. Das macht die solide Stimmbildung über all die Jahre. Das hohe ,a' kriegen die immer noch”, ist Johannes Wellen auch ein wenig stolz.
Und noch eine Besonderheit zeichnet das Chorgeschehen auf dem Speelberg aus. Johannes Wellen: „Es gab immer eine Choralschola der Männer, die lateinische Choralämter sang, meist an den zweiten Festtagen: „Das mache ich immer noch.”
Immer donnerstags
Der Chor probt donnerstags von 19.45 bis 21.30 Uhr im Michaelheim. Kontakt: Bern- hard Kroesen: 53313.
Alle Chor-Folgen unter www.derwesten.de/emmerich
0mitdiskutieren