Vom Schwein zum Wein

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Was wir bereits wissen
Leon Masselink hat sich im niederländischen Gendringen als Weinbauer etabliert. Sogar das holländische Königshaus gehört zur Kundschaft.

Isselburg/Gendringen..  Ein Weinhang mit Südlage gleich hinter der Grenze in Stokkum? Und ein richtiges Weingut im nur wenige Kilometer entfernten Gendringen? Kein Witz. Leon Masselink, bis vor wenigen Jahren noch Schweinezüchter, hat eine Marktlücke gefunden und baut auf mittlerweile vier Hektar seine eigenen edlen Tropfen an. „Das ist echter Rheinwein“, lacht der sympathische Niederländer. Denn Vater Rhein, sagt der 54-Jährige, liegt ja nur acht Kilometer entfernt. Das Gelände, auf dem er 2004 die ersten von 10 0000 Rebstöcken angepflanzt hat, war früher Überschwemmungsgebiet des mächtigen Stroms.

Suche nach neuem Weinberg

Vor seinem Hof, auf dem sein Vater und er zuletzt 250 Schweine gezüchtet hatten und gut 2000 Mastschweine standen, sieht’s aus wie in einem traditionellen Weinanbaugebiet. Links und rechts der Eichenallee schlagen zurzeit die Weinstöcke aus.

„Ich wolle einfach kein Schweinebauer mehr sein“, erzählt der Familienvater. Der Markt forderte einfach immer größere Schweine-Bestände. Das war nichts mehr für ihn. In einem Interview hörte er dann von einem Mann, der bei Wageningen Wein anbaute und den auf seinem Hof vermarktete.

Da stand für Leon Masselink und seine Ehefrau fest, dass er das auch machen wollte. Unzählige Reisen in deutsche und französische Weinanbau-Gebiete folgten, zudem lernte er von seinem niederländischen Kollegen in Wageningen. „Und ich lerne immer noch dazu“, sagt er.

Schlecht können seine roten wie weißen Weinsorten mit klingenden Namen wie Regent, Rondo, Cabernet Cortis oder Johanniter, Merzling, Cabernet blanc und Souvonier Gris nicht sein. Gehört doch das niederländische Königshaus zur Kundschaft. Bei ihrem Antrittsbesuch in Deutschland vor gut zwei Jahren nahmen ihre Majestäten 400 Weinflaschen als Gastgeschenk mit nach Wiesbaden.

Von den heute etwa 7500 Liter Rot- und Weißwein, sowie Rose, verkauft Masselink etwa je ein Drittel direkt am Weingut, Kunden in der näheren Umgebung sowie via Bestellung im Internet. Im Laden zahlt man übrigens je Flasche zwischen elf und 20 Euro.

Höhepunkt ist natürlich die Weinlese. „Da helfen uns gut 120 Freiwillige aus ganz Holland“, erzählt der Unternehmer, der mittlerweile schon fast von seinem Wein-Geschäft leben kann. Sein Weingut mit Weinkeller und Verköstigungs-Möglichkeiten will der Niederländer weiter ausbauen. „Wir möchten künftig 15 000 Liter Wein abfüllen können“, sagt er. Deshalb schaue er sich in der Umgebung schon nach einem weiteren Weinberg um.