Vom Karussell zum Storchennest

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Millingen..  Die Nachricht hat sich in Windeseile herumgesprochen. In Millingen sind erstmals Störche gesichtet worden. Seit vier Wochen ist es fertig, das gemachte Nest für Ehepaar Adebar. „Aber dass es so schnell klappen sollte, damit hat doch niemand gerechnet“, sagt Lydia Jochim.

Von ihr, der Inhaberin des Standbads Millingen, stammt die Idee, einen Mast in den Boden zu rammen, um darauf den Störchen ein Nest zu bauen. Grundstock dafür bildete ein altes Karussell. „Das stand früher bei uns am Strandcafé, hat aber nicht mehr funktioniert“, so die Strandcafé-Chefin.

Sie und ihr Mann Rainer Beltermann fragten bei ihren Freunden Heinz-Josef und Georg Pieper nach, ob diese beim Bau behilflich sein könnten. „Wir haben das gern übernommen“, sagt Heinz-Josef Pieper, Geschäftsführer bei Landtechnik Pieper. Kostenlos, versteht sich. Ein Arbeitstag von Geselle und Gehilfe waren nötig, um die Reling des ehemaligen Sitzrondells einzukürzen, den Karussell-Einstieg zu schließen, den Sockelfuß zu fertigen und anzuschweißen sowie das Rondell mit einem Durchmesser von rund 1,30 Metern mit einem Drahtgitter nach unten zu versehen. „So fällt das Nistmaterial nicht durch, gleichzeitig kann der Regen ablaufen kann“, erklärt Heinz-Josef Pieper.

Die Familie Jochim/Beltermann war derweil nicht untätig. Hatte zahlreiche weitere Helfer mobilisiert. Zum Beispiel Leo Thyssen angesprochen, ob er einen seiner alten auf dem Hof liegenden RWE-Masten erübrigen könne. Der Bauer spendierte das 14 Meter lange Holz, zum Aufstellen rückten Karl-Hugo Angenendt mit Bagger, Bernhard Schürmann mit seinem Steiger und weitere Helfer von Kersten Areal Maschinen an.

Natürlich waren auch Lydia Jochims Kinder Florian und Leonie mit von der Partie. Letztere hatte ihrer Mutter beim Flechten der Weidenrouten für das Nest, das anschließende Postern mit Heu geholfen. Anschließend bespritzte die Familie das Nest mit weißer Farbe. „Weil es dann benutzt aussieht und eher angenommen wird“, hatte sich Lydia Jochim im Internet kundig gemacht.

Vor vier Wochen wurde alles eingestielt, vor drei Wochen der Mast am Strandcafé in den Boden gerammt. Am 1. April, kein Scherz, tauchte der Storch auf. „Das Männchen“, wie Lydia Jochim inzwischen weiß. Denn der Mann rücke immer als erster an, hat sie nachgelesen. Als erster gesehen hat den Storch Heinz Helling von seinen Bürofenster aus und die Strandcafé-Wirtin gleich informiert. Zwei Tage später konnten die Millinger die erste Storchbalz beobachten – denn das Weibchen war angelockt. Derweil beschäftigt sich das Storchenpaar mit dem weiteren Nestbau. „Ganz Millingen ist aufgeregt“, weiß Heimatforscher Norbert Behrendt. Er war schon vor Ort, um ein paar Aufnahmen von den Neubürgern zu machen.