Vom Edelstein aus der niederrheinischen Erde

Barbara Schroeder liebt die Kartoffel, auch wenn man diese hier, aus Prozellan, nicht essen kann.
Barbara Schroeder liebt die Kartoffel, auch wenn man diese hier, aus Prozellan, nicht essen kann.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die gebürtige Kleverin Barbara Schroeder, die seit 30 Jahren in Bordeaux lebt, stellt im Haus im Park aus. Im Emmericher Rheinpark geht es künstlerlisch um die Kartoffel.

Emmerich..  Die Kartoffel ist ein Edelstein aus Niederrheins Erde. Sagt Barbara Schroeder. Und die gebürtige Kleverin kennt die Kartoffel genau. Obwohl sie seit drei Jahrzehnten in Bordeaux an der französischen Atlantikküste künstlerisch tätig ist. Der Erdknolle, die sie einst täglich verspeist hat, widmet sie nun eine Ausstellung. „Terre à Terre“ (übersetzt: Boden zu Boden, ein Begriff aus der Reitkunst) heißt es in der Parterre und im ersten Geschoss des Hauses im Park im Rheinpark.

Nach dem Abitur zog es Schroeder im Alter von gerade 18 Jahren in die Ferne. „Mit unseren Familienreisen in die französischen Berge haben mir meine Eltern den Floh ins Ohr gesetzt.“ Und der Floh flüsterte: Möglichst weit weg!

An der Kunstakademie in Bordeaux, schlanke 1200 Kilometer von Kleve entfernt, war die Berliner Mauer Gegenstand der Examensarbeit. „Am Tag meiner mündlichen Prüfung fiel die Mauer dann“, erinnert sich Barbara Schroeder an den 9. November 1989 ganz genau.

Aus zwei Jahren wurden 30

Eigentlich wollte sie nur ein Jahr in Bordeaux bleiben. Oder auch zwei. „Daraus wurden dann dreißig.“ In der niederrheinischen Heimat hat Schroeder, die in Frankreich unter anderem Bibliotheken und Gymnasien künstlerisch gestaltet und stolze acht Bücher veröffentlicht hat, bislang nie groß ausgestellt.

Auf das Haus im Park und Kunstverein-Chef Werner Steinecke wurde Barbara Schroeder im Internet aufmerksam. „Ich habe dem Verein einfach geschrieben und was vorgeschlagen. So sind wir über zwei Jahre hinweg nun zusammengekommen. Ich finde hier die Bandbreite der Ausstellungen einfach schön.“

Im Kartoffelfeld aus schwarzer Blumenerde und weißen Porzellan-Kartoffeln, durch den Haus-Eingang hinten rechts um die Ecke, werkelte Schroeder im verschmierten Blaumann und meist barfuß. Um den Dreck nicht ständig im Haus zu verteilen. Seitlich der Hommage an den eigenen Kohlenkeller aus Kindertagen liegen kartoffelförmige Objekte aus gebranntem Ton.

Diese waren schon am Atlantikstrand im Einsatz. Unter dem Motto: Poesie trifft brutale Wellen. Ein Bild dazu gibt es auch. „Drei Kartoffeln haben mir die Wellen geklaut“, deutet Schroeder drauf. Und lächelt verschmitzt. Kunst sollte auch humorvoll sein. Was einige Bilder durchaus verraten: „Emil wird von Porzellankartoffeln beschossen“, „Gebiss frisst Kartoffel auf“ oder „Invasion der Mutter Kartoffel“ – letzteres in 16 Daumenkino-Bildern a la Loriot.

Übrigens: Bis zum 4. Juli ist die Ausstellung samstags (13 bis 17 Uhr) und sonntags (11 bis 17 Uhr) im Haus im Park zu sehen. Mehr Infos dazu im Internet: www.kunstverein-emmerich.de oder www.barbaraschroeder.com.