Versicherungsagent riskierte Kopf und Kragen wegen Betruges

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Emmerich..  Der Gocher Rechtsanwalt Rolf Olsohn brachte es gestern Vormittag nach fast hundert Verhandlungsminuten am Amtsgericht auf den Punkt: „Hier geht es für meinen Mandaten um Kopf und Kragen.“ Beruflich war das zweifelsohne richtig. Der Angeklagte, seit acht Jahren der Leiter eines offenbar nicht schlecht laufenden Versicherungsbüros in Emmerich, stand schließlich unter dem Verdacht, einen Betrug begangen zu haben. Über einen fingierten Fahrraddiebstahl soll der Makler sich mitbereichert haben.

Richterin Dr. Christiane Schmitz stellte den Fall zwar gegen eine Geldbuße von fünfmal 400 Euro vorläufig ein. „Das können wir aber nur in Rücksprache mit dem Arbeitgeber akzeptieren“, erklärte Anwalt Olsohn. Schließlich käme die Strafe einer Schuld gleich. Und die könnte bedeuten, dass sein Mandat den Agenturvertrag einer großen deutschen Versicherungskette verliert. Damit auch seine existenzielle Honorareinnahme.

Die Sache stellte sich so dar: Die Kronzeugin hatte beim Angeklagten einen Fahrraddiebstahl gemeldet, von der Versicherung dafür 1600 Euro erhalten. Wenig später gab die Zeugin aber zu, dass das Rad gar nicht gestohlen worden sei. Erstattete eine Selbstanzeige und überwies das Geld der geprellten Versicherung zurück. In einer SMS-Telefonmitteilung soll der Angeklagte dann zusätzliches Geld von der Zeugin gefordert haben. 600 Euro standen im da im Raum.

„Da lag eine Erpressung vor, das habe ich sofort gemerkt“, erklärte die Schwester der Hauptzeugin gestern. Und fragte bei der Versicherung nach. Der Verdacht, so stellte sich heraus, war begründet. „Auch wenn meine Schwester schon mal in Geldschwierigkeiten steckt. Und im Fahrradfalle auch zugegeben hat, sie habe Scheiße gebaut.“

Der Angeklagte stellte eine andere Behauptung auf. Er habe seiner Kundin vor fünf Jahren mal 600 Euro geliehen. Die hatte er im vergangenen Sommer eben zurückhaben wollen. Das sei der Grund der SMS-Nachricht gewesen. Richterin Schmitz musste konstatieren, dass „hier Aussage gegen Aussage steht“. Erklärte aber ungläubig, die SMS-Version des Versicherers sei eine „ziemlich erstaunliche Geschichte“.