Vermeintlicher Bandenchef steht vor dem Landgericht

Hier geht es zum Eingang des Landgerichts in der Klever Schwanenburg.
Hier geht es zum Eingang des Landgerichts in der Klever Schwanenburg.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Montenegro-Niederländer Irhan H. muss sich als vermeintlicher Bandenkopf vor dem Landgericht verantworten. Die Täter sind auch in eine Tankstelle in Emmerich eingebrochen.

Emmerich/Kleve..  Zu sämtlichen Tatvorwürfen sagte Irhan H. am Donnerstagmorgen im Schwurgerichtssaal der Klever Schwanenburg nichts. Der mögliche Chef einer mindestens fünfköpfigen Zigarettenbande, die sich bei neun nächtlichen Einbrüchen in Tankstellengebäude unter anderem in Emmerich, Kranenburg, Uedem und Geldern Glimmstängel im Wert von rund 19 000 Euro gegriffen haben soll, weiß allerdings auch, dass spätestens am nächsten Donnerstag das gesetzesbrüchige Tun seziert werden dürfte. Die meisten der 18 benannten Zeugen plus ein ehemaliger Bandenmitstreiter, der aus Marokko einfliegen soll, dafür aber Straffreiheit verlangt, stehen dann im Landgericht auf der Befragungsliste.

Der Vorsitzende Richter Gerhard van Gemmeren sowie Staatsanwalt Niko Kalb hatten einiges vorzulesen, um der Fülle an Anklagen gegen den 25-jährigen Montenegro-Niederländer gerecht zu werden. Anfang Oktober 2013 wurde dieser erstmals im Heimatort Eindhoven aufgegriffen, saß dann Ende August 2014 in Auslieferungshaft und wartet nun seit gut einem halben Jahr in der Justizvollzugsanstalt Duisburg-Hamborn auf seine Gerichtsverhandlung.

Der Betonbau-Unternehmer soll Drahtzieher der neun Tankstelleneinbrüche vom Juni 2013 gewesen sein. Selber wurde Irhan H., der im Alter von acht Jahren mit seinen Eltern sowie zwei Schwestern vom Balkan in den Beneluxstaat umgezogen war, nicht tätig. Mindestens vier Mitstreiter sorgten, in verschiedenen Täter-Kombinationen, für die Einbrüche. Übrigens auch in der Emsland-Region um Nordhorn. Hier beschäftigte sich das Landgericht Osnabrück mit vier „Tankstellenbesuchen“.

Die liefen in Emmerich (bei Star, Beeker Straße), Kranenburg (Tank und Shop sowie Aral, jeweils Klever Straße) oder auch in Uedem (Aral, Molkereistraße) stets nach dem gleichen Schema ab. Eine Hauptverkehrsstraße war immer in der Nähe, um nach wenigen Tatminuten schon wieder auf der Flucht gen Eindhoven zu sein.

Vor Ort wurden Nummernschilder anderer Fahrzeuge abgeschraubt und diese auf den offenbar von Irhan H. bereitgestellten Opel Omega Kombi montiert. Der Überwachungskameras vor Ort wegen. Einer der Täter zerstörte die Eingangstür der „Tanke“. Mit einer Betonplatte oder einem Gullydeckel. Dann wurde nach Zigaretten gesucht, diese in einen Bettbezug gestopft. Die Suchtstängel gingen später via Niederlande an einen Duisburger Kioskbesitzer.

Humorloser Rottweiler

In Emmerich erbeutete man Zigaretten im Wert von 8000 Euro, in Uedem waren es 3000 Euro, in Kranenburg 7500 Euro. Wobei hier ein zweiter „Bruch“ misslang. Der Wachhund der Aral-Tankstelle, ein humorloser Rottweiler, schlug die Einbrecher in die Flucht.

Drei der mindestens vier Täter sind schon verurteilt. Geschichtsstudent Raziz A. vom Landgericht Nordhorn zu zwei Jahren auf Bewährung. Die Milde fußte darauf, dass der gebürtige Afghane zahlreiche Taten der Bande im Geständnis aufgedeckt hatte.

Fensterscheibenexperte Haleb G. trank sich nach eigener Angabe für die nächtlichen Spritztouren Mut an. Angeblich zwölf Flaschen Starkbier plus eine halbe Flasche Wodka. Strafmildernd wirkte sich das aber nicht aus.

Der Iraker mit Wohnsitz in Rom hatte sich von Irhan H. offenbar Geld geliehen. Das der Gelegenheitsarbeiter, der in der Schweiz 2009 wegen Diebstahls schon für zwei Jahre und vier Monate „gesessen“ hatte, aber nicht zurückzahlen konnte. Und deshalb auf Tankstellen-Tour geschickt worden war. Haleb G. musste dafür vier Jahre und drei Monate hinter Gitter.

Auch Kollege Arash M. ging, vermeintlich sogar unter Gewaltandrohung von Irhan H. und einem seiner Bekannten, auf Zigarettenjagd. Um Schulden abzutragen. Das Landgericht Kleve sprach den Den Haager in acht Fällen schuldig: drei Jahre, neun Monate Haft!