Verknallte Holländer
29.12.2008 | 18:04 Uhr 2008-12-29T18:04:00+0100
Morgen will es Herr Le so richtig krachen lassen. Das Material, das er dafür braucht, stapelt sich im Einkaufswagen gleich neben ihm. Herr Le ist extra aus Arnheim gekommen, um im Rewe-Supermarkt Raketen – die in den Niederlanden Pfeile genannt werden – und ein paar Feuerwerk-Batterien zu kaufen.
Harald Müller, der Marktleiter, sieht's gern und nimmt das Geschäft mit den Knallern zum Jahresende mit. Richtig viel los ist auch bei den örtlichen Filialen der Discounter. Dort herrschte gestern schon am frühen Morgen der Ausnahmezustand. Das lag vor allem an den zahlreichen Hobby-Feuerwerkern aus den benachbarten Niederlanden.
Ausnahmezustand bei den Discountern
Eine Mitarbeiterin von Lidl schätzt, dass rund 95 Prozent der Kunden, die an der Wardtstraße Feuerwerk einkaufen, Niederländer sind. Kein Wunder, dass es auf dem Parkplatz gleich zwei große Container gibt, in denen bis zur Decke Kartons mit Feuerwerk gelagert werden. Das freilich nur genau so lange, bis der Ansturm auf die Knaller beginnt: Am Mittag sind die Stahlcontainer nur noch knapp zur Hälfte gefüllt. Das Feuerwerkgeschäft 2008, scheint es, läuft prächtig.
Dafür sorgt zum Beispiel auch Wilfred Klaassen. Zufrieden rollt er seinen Wagen zum Auto, in dem es nichts gibt außer Kartons mit bunten Explosionen darauf. Zusammen mit seinem Kumpel Hans Kroon uns dessen Sohn Willem ist er 100 Kilometer von Harderwijk bis nach Emmerich gefahren. Wirklich nur, um Feuerwerk zu kaufen? „Na klar”, sagt Wilfred Klaassen, „hier ist es viel billiger als bei uns.” Statt 90 Euro hätte er in den Niederlanden für die gleiche Menge über 200 Euro bezahlt, schätzt Klaassen. Und außerdem gebe es im Nachbarland längst nicht so eine große Auswahl wie hier.
Auch Jorden van den Bruk ist Böller-Tourist aus den Niederlanden. Sein Kleinwagen, der auf dem Aldi-Parkplatz an der Bahnhofstraße steht, ist schon ganz gut mit Silvesterraketen gefüllt – aber ein paar Batterien kommen noch dazu. „Die sind praktisch”, sagt Jorden van den Bruk, „man zündet sie nur einmal an und kann zuschauen.” Er wird eine Menge zu sehen haben. Feuerwerk für rund 200 Euro importiert van den Bruk – gekauft in mehreren Emmericher Geschäften.
200 Euro sind Durchschnitt
Auch für Heinz Gorgs sind die Niederländer die wichtigste Zielgruppe. Nicht so sehr bei den Fliesen, die er normalerweise an der Tackenweide verkauft. Sondern fürs Feuerwerk. Seit acht Jahren bringt er drei Tage vor Silvester Böller unters wechselfreudige Volk. Sogar im niederländischen Radio hat er Werbung geschaltet. „Die Leute schätzen, dass wir ein anderes Sortiment haben als die Discounter”, sagt Heinz Gorgs.
Im Schnitt würden die meisten Kunden aus den Niederlanden an die 200 Euro fürs Feuerwerk ausgeben. Manche hätten aber auch schon mal deutlich über 1500 Euro in Emmerich gelassen, um das neue Jahr zu begrüßen. Kein Zweifel mehr: Die Holländer sind schwer verknallt in Silvester.
Und sie kaufen – wie die Deutschen auch – am liebsten Batterien. Gorgs hat mit Produkten reagiert, die bis zu 1 200 Schuss abgeben, nachdem die Schnur brennt. Einige sehen wie Profi-Feuerwerk aus. Vom Weltall aus betrachtet müssten die Niederlande morgen also ein heller Fleck sein. . .
0mitdiskutieren