Unter Volldampf
22.01.2009 | 14:08 Uhr 2009-01-22T14:08:00+0100
Werner Woytowicz ist „der Mietkoch”. Der Emmericher bruzzelt auf Bestellung am heimischen Herd des Auftraggebers.
Öfter mal was Neues. Unter dieses Motto stellt Werner Woytowicz sein privates Festmenü. Zu Weihnachten gibt es etwas Kurzgebratenes vom Strauß. „Das Fleisch ist sogar cholesterinsenkend”, erklärt der Koch, der sich auch beruflich gedacht hat: Öfter mal was Neues. Seit August dieses Jahres ist Woytowicz „der Mietkoch”.
Berufliches Standbein
Wie der Name schon sagt, kann man den Emmericher mieten. Für die eigenen vier Wände. Genauer gesagt für den eigenen Herd. Denn Woytowicz rührt Soßen, brät Fisch und Fleisch oder schmort Gemüse direkt beim Auftraggeber. „Die Idee hatte ich schon länger”, sagt der 43-Jährige. „Gerade auch aus meinem Bekanntenkreis kam die Ermutigung, dass ich daraus ein berufliches Standbein entwickeln könnte.”
Der gelernte Koch – die Lehre absolvierte er ab 1983 im Restaurant Cordes in Warbeyen – weiß, was es bedeutet, mobil zu sein. Nach Stationen unter anderem als Küchenchef in Bayern, Aachen, Düsseldorf und Xanten machte sich Woytowicz auch in seiner Heimatstadt einen Namen. So war er auf der Rheinkönigin und in der Societät tätig. „Von gutbürgerlich bis anspruchsvoll gehoben”, beschreibt Woytowicz selbst sein Koch-Repertoire. Gerne experimentiert der 43-Jährige mit regionalen Produkten. So hat er einen Wall-Fleischhauer-Schaum entwickelt. Ein echtes Highlight ist das aus Lohmann-Schokolade hergestellte MaMiNu-Parfait, das anlässlich des Herrenessens vom Bürgerverein im vergangenen Jahr kreiert wurde.
Werner Woytowicz ist in seinem Job auf alle Eventualitäten – und damit sind nicht nur die Speisewünsche gemeint – vorbereitet. Von einem romantischen Candlelight-Dinner im intimen Kreis bis zu einer großen Geburtstagsgesellschaft.
Kulinarische Herausforderung
Der Mietkoch nimmt die kulinarische Herausforderung an. An Equipment mangelt es nicht. So bringt Woytowicz – falls nötig – vom Schneebesen über Geschirr und Besteck bis zur Servierkraft alles mit. Für Vorbereitungen, dem so genannten Mise en place, zu größeren Events kann er dank einer Kooperation mit Daniel Maiß die Küche im PAN-Bistro benutzen.
Besonderen Wert legt der passionierte Angler auf eine intensive Absprache über Speisenfolge und -wünsche mit seinen Kunden. „Im Prinzip ist fast alles möglich. Ich gehe individuell auf dieWünsche der Kunden ein”, schränkt Woytowicz seine Speisenvorschläge bewusst nicht ein. „Im Endeffekt hängt es natürlich von der Personenzahl ab”.
Mal ganz abgesehen davon, dass Woytowicz seinen Arbeitsplatz von den eher unpersönlichen und teilweise steril wirkenden Profiküchen an den „heimischen Herd” verlagert hat, sieht er noch einen weiteren Vorteil. „Ich finde es immer sehr spannend, wenn mir die Leute beim Kochen über die Schulter gucken”, so Woytowicz, der durch die vielen Kochshows im Fernsehen im Allgemeinen ein ganz anderes Bewusstsein zum Essen und Trinken in der Bevölkerung spürt. „Der Hobby-Koch ist heute viel informierter, hat aber weniger Zeit als früher.”
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