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„Tricks dürfen für die Politik kein Maßstab sein!“

22.01.2015 | 17:32 Uhr
„Tricks dürfen für die Politik kein Maßstab sein!“
Sultan Seyrek war als Integrationschefin auch an der Seite von Emmerichs Bürgermeister Johannes Diks.

Vrasselt/Elten.   Die neue Eltener Ortsausschussvorsitzende Sultan Seyrek sieht sich in der Pflicht. Äußert sich im NRZ-Interview bestürzt über die Pegida-Demonstration in Duisburg.

Sultan Seyrek könnte sich locker auf die Position zurückziehen, genug um die Ohren zu haben. Die 41-jährige Kurdin, die seit drei Jahrzehnten in Emmerich lebt und erste Migrantin im Stadtrat ist, ist Ehefrau eines Gastronomen, führt ein Vrasselter Immobiliengeschäft, ist Schöffin am Klever Landgericht und sorgt für ihre drei Kinder. „Alles eine Frage der Organisation! Aber ein Mensch kann immer mehr leisten, als er sich zutraut“, betont Seyrek – überzeugt aus eigener Erfahrung. Im Alter von elf Jahren hatte sie mit der Familie aus dem kurdischen Landesteil der Türkei flüchten müssen.

Frau Seyrek, macht es Sinn, dass eine Vrasselterin den Ortsausschuss in Elten leitet?

Das müssten Sie eigentlich zuerst die CDU fragen, die im Gremium in der Mehrheit ist, sich aber gegen alle Vorschläge gestellt hat. Der Ortsausschuss ist vom Rat beschlossen worden, also müssen alle dafür etwas tun, dass der Ausschuss arbeiten kann.

Wer hat Sie denn in der SPD-Fraktion überredet, die Verantwortung wahrzunehmen?

Niemand. Ich habe es als meine Pflicht angesehen, den Ratsbeschluss umzusetzen. Ehrlicherweise hatte ich allerdings auf Ludger Gerritschen gehofft. Er wäre als Eltener zweifelsfrei der bessere Vorsitzende für das Gremium gewesen.

Jetzt ist er Ihr Stellvertreter, würde aber den Ausschuss leiten, wenn Sie nicht da wären . . .

Ich gebe mein Bestes und werde meine Pflicht erfüllen. Auch wenn einige schon munkeln, ich würde zu den Sitzungen nicht kommen. Ich wollte allerdings vor der Wahl in einer Stellungnahme meine Meinung kundtun. Vielleicht hätte es sich eine der sechs Nein-Stimmen dann noch anders überlegt.

Bürgermeister Johannes Diks hat Ihnen da aber das Wort verwehrt.

Was ich schade fand. Geärgert hat mich aber viel mehr die Blockadehaltung der Nein-Sager, die kein Rückgrat gezeigt haben. Solche Tricks dürfen kein Maßstab für Politik sein. Und Elten hat dies auch nicht verdient.

Wobei wir noch einmal bei Frage eins wären . . .

Elten, Vrasselt, Emmerich, das gehört für mich zusammen. Wie auch Christen, Moslems und Juden in der Welt zusammengehören. Mensch ist Mensch. Niemand hat sich ausgesucht, als was er geboren wird. Daher sollte jeder akzeptiert werden, wie er ist.

So denken in Deutschland offenbar nicht alle, wie wir in diesen Tagen erleben müssen?

Mich hat es sehr bestürzt, dass ein Emmericher Kirchenmann bei einer Pegida-Demonstration in Duisburg vorneweg mitgeht.

Das stimmt Sie vor allem nicht nur deshalb traurig, weil Emmerich dadurch deutschland-weit negative Schlagzeilen produziert hat und Sie ja auch vier Jahre den Integrationsrat der Stadt geleitet haben.

Richtig. Man muss ja vor allem die Wirkung in der Öffentlichkeit sehen, die der Mann hinterlassen hat. Es geht einem da dann schon der Gedanke durch den Kopf, ob das wirklich unser Land ist, ob wir hier noch willkommen sind, wenn man solche Bilder sieht. Leider merke ich als gebürtige Kurdin manchmal immer noch, dass man nicht wirklich dazugehört.

Zurück zum Mikrokosmos Elten: Welche Themen werden ab der nächsten Ausschusstagung am 26. Februar auf der Agenda stehen?

Natürlich die Betuwe-Pläne der Deutschen Bahn und von Straßenbau NRW sowie deren Auswirkungen auf Elten. Dazu das mögliche neue Gesundheitszentrum. Oder auch das Vorhaben, Elten könne in Zukunft zum Kneippkurort werden. Ich arbeite mich gerade in die Themen ein, kann deshalb nicht in Details einsteigen.

Wie stehen eigentlich Ihre Planungen, das Deutsche-Bank-Gebäude in Emmerich zu kaufen?

Nur weil wir zweimal durch das Gebäude gelaufen sind, heißt es ja nicht, dass wir es auch gekauft haben. Es wurde ja unterstellt, Bürgermeister Diks würde in dieser Sache mit uns sogar unter einer Decke stecken. Das haben wir in einem Brief richtiggestellt.

Heißt also übersetzt?

Der Kauf war für uns nie ein Thema. Ich weiß auch nicht, wie die Sache derzeit steht.

Michael Ryberg

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2015-01-22 17:32
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