Thalbach und Schneider gaben in Emmerich drei Zugaben

Das Publikum im Emmericher Stadttheater war nach „Zwei auf einer Bank“ begeistert.
Das Publikum im Emmericher Stadttheater war nach „Zwei auf einer Bank“ begeistert.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Musical-Comedy „Zwei auf einer Bank“ mit Katharina Thalbach und Andreja Schneider sorgte im Emmericher Stadttheater für Begeisterung. Die Protagonistinnen gaben drei Zugaben.

Emmerich..  Sie kann nicht bügeln, sie kann nicht stricken, doch wenn’s ans Küssen geht, da kennt sie sich aus und verhilft dem depressiven Joachim zu einem neuen Leben. Die Rede ist von Loreley – alias Andreja Schneider – und Joachim, der von Katharina Thalbach gemimt wurde. Sie begeisterten ihre Besucher im ausverkauften Stadttheater in der Musical-Comedy „Zwei auf einer Bank“, musikalisch unterstützt von den Musikern des Christoph Israel Sextetts. Die Emmericher Aufführung war der Start einer Tournee, für die man zwei Tage lang im Stadttheater geprobt hatte. Die Uraufführung hatte 2008 in Berlin stattgefunden.

Mit tiefer Stimme in der Hosenrolle

Die mit bekannten Schlagern, Operettenmelodien und Popsongs garnierte Geschichte erzählt von einer denkwürdigen Begegnung zwischen Joachim und der lebenslustigen Lorely, die ihn zunächst daran hindert, sich umzubringen, dann aber seine Zuneigung erfährt und nach vielen glücklichen wie auch enttäuschenden Momenten seine Liebe und dann auch den ersten Kuss erhält.

Man musste sich zuerst daran ge-wöhnen, Katharina Thalbach in ei-ner Hosenrolle zu erleben, dazu noch als am Leben verzweifelnden Mann, nicht besonders attraktiv anzusehen. Doch dann zeigte sich die schauspielerische Qualität der Künstlerin. Mit tiefer Stimme stellte sie fest: „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin.“ Und fand schnell den Strick, um sich aufzuhängen. Doch Loreley, die hinzukommt, meint: „Wenn alle Stricke reißen, dann müssen sie sich doch nicht gleich aufhängen!“ Andreja Schneider spielte die lebenslustige und verliebte Loreley ausgezeichnet und zeigte auch bei den stimmlichen Passagen eine gut trainierte Stimme.

Das Problem, das sich im Laufe des Stückes zeigt, dreht sich häufig um den Kuss. Loreley wünscht sich einen, Joachim hat mit diesem Phänomen ständig Ärger und kann dabei auch seine sexuellen Gefühle nicht ganz unterdrücken. Und immer wieder ist es bewundernswert, wie sich Joachim und Loreley gekonnt neuen Situationen gegenüber verhalten und schlagfertig kontern. Doch der Gedanke an den Tod scheint bei Joachim nie ganz zu verschwinden, aber Loreley hilft ihm in solchen Szenen. Es kommt schließlich zum Kuss – natürlich unter einem Regenschirm.

Man kann die schauspielerische Leistung beider Hauptdarsteller uneingeschränkt bewundern, sollte aber auch die musikalische Seite nicht vergessen. Die Auswahl der Instrumente passte genau zur chaotischen wie rührenden Liebesgeschichte. Unter der Leitung von Christoph Israel (Klavier) musizierten Alice Soria-Cadoret (Harfe), Emmanuel Hauptmann (Schlagzeug), Anna Carewe (Violoncello), Jürgen Schäfer (Bass) und Meesun Hong (Violine).

Das Publikum sparte nicht mit stehenden Ovationen und erreichte drei Zugaben, die das freudig überraschte Team gern gab.

Übrigens:

Katharina Thalbach stammt aus einer Theaterfamilie. Schon mit fünf Jahren stand die jetzt 60-Jährige auf der Bühne. In den ­70er- und 80er-Jahren war sie Mitglied bekannter Berliner Theaterbühnen wie etwa dem Schillertheater. Bei Filmen (unter anderem in der mit einem Oscar prämierten „Blechtrommel“ von 1979) und Theaterstücken stand sie in der Besetzungsliste. Ebenfalls als Regisseurin war sie beliebt. Ebenso bemerkenswert: In der DDR-Zeit weigerte sie sich, an der Jugendweihe teilzunehmen – als Einzige in der Klasse.


Andreja Schneider ist gebürtige Kroatin. Sie wurde früh von den Geschwistern Pfister entdeckt und wirkte in vielen Produktionen mit. Als Rössl-Wirtin („Im Weißen Rössl am Wolfgangsee“) feierte sie in einer TV-Produktion große Triumphe.