Stühlerücken im Reeser Rathaus nach Neuordnung

Ganz, ganz selten findet man noch Oldtimer mit WES-Kennzeichen, die das Siegel des Kreises Rees tragen.Ob dieses Gogomobil ein solches führt, ist nicht zu erkennen.
Ganz, ganz selten findet man noch Oldtimer mit WES-Kennzeichen, die das Siegel des Kreises Rees tragen.Ob dieses Gogomobil ein solches führt, ist nicht zu erkennen.
Foto: Kurt Michelis
Was wir bereits wissen
Vor 40 Jahren wurde die Stadt Rees neu gegliedert. Die Verwaltung erhielt eine neue Spitze. Auch mussten sich die Reeser von dem WES-Kennzeichen verabschieden. Was aber, so ist zu hören, nicht schwer fiel

Rees..  Wer vor 40 Jahren ein neues Fahrzeug anmeldete, musste sich von seinem vertrauten Kennzeichen verabschieden, denn die Reeser mussten ihre neue Kreiszugehörigkeit auf dem Kfz-Schild dokumentieren. Schlimm genug, dass sie, im Kreis Rees lebend, ein WES-Kennzeichen führen mussten. Denn bereits am 20. Mai 1842 war Wesel Kreisstadt des Kreises Rees geworden, lediglich der Kreisname blieb da noch erhalten. Nach der kommunalen Neuordnung zum 1. Januar 1975 wurde Rees dann nicht nur dem Kreis Kleve zugeschlagen, auch das Stadtgebiet wurde neu gegliedert. Das schmerzte in so mancher Ortschaft ganz gewaltig, hatte aber auch ein Stühlerücken im Reeser Rathaus zur Folge. Führende „Köpfe“ mussten auf Grund der Neugliederung ins zweite Glied rücken. Ämter wurden aufgelöst, Beamte aus den Amtshäusern ins Zentrum versetzt.

Im Kreis Rees waren Rees-Stadt ebenso eigenständig wie das Amt Haldern mit den Ortsteilen Groin, Haffen-Mehr, Haldern, Heeren-Herken, Loikum und Wertherbruch, das Amt Millingen mit Heelden, Vehlingen, Empel und Millingen. Mit der kommunalen Neuordnung 1975 wurden Empel, Groin, Haffen-Mehr, Haldern, Heeren-Herken und Millingen Teil der Stadt Rees. Die Ämter Haldern und Millingen wurden aufgelöst. Im Amt Haffen-Mehr-Mehrhoog waren zuvor die drei Orte zusammengefasst, 1975 wurde nun Mehrhoog Ortsteil von Hamminkeln, Haffen und Mehr Ortsteile von Rees. Für viele Bürger war diese Neuordnung schwer nachvollziehbar.

Kämmerer Heinz Heisterkamp

Egon Wickermann war bis Ende 1974 Kämmerer der Stadt Rees. Er erinnert sich an die Vorbereitungen zur kommunalen Neuordnung, die in seinem Amt bereits im Herbst 1974 eingeläutet wurden. „Wir führten erste Gespräche mit den Haldernern bezüglich der Steuerveranlagungen. Zudem hatte Haldern ein anders Buchungssystem als Rees. Viel Arbeit wartete auf uns.“

Das Personalkarussell war bereits im Vorfeld ausgehandelt worden. Heinz Heisterkamp, stellvertretender Gemeindedirektor in Millingen, wurde Kämmerer im Reeser Rathaus. Stadtamtsrat Egon Wickermann wurde Leiter der Abteilung Liegenschaften, Steuer und Umlegung. Da die Eigenständigkeit der Orte mit den jeweiligen Amtsdirektoren aufgelöst worden war, musste auch Rees als der große Gewinner Federn lassen. Das bedeutete beispielsweise, dass der damalige, durchaus als tüchtig und erfolgreich geltende Stadtdirektor Josef Höning nun die Geschicke der Stadt nur noch als Beigeordneter leitete. Ausgekungelt worden war nämlich, dass der Amtsdirektor von Haldern, Gerhard Bollwerk, Stadtdirektor der neuen Stadt Rees werden sollte. Was auch geschah.

„Von Beginn an herrschte jedoch eine gute Atmosphäre in den Amtsstuben“, erinnert sich Egon Wickermann. Sein Amt zog erst einmal ins Gemeindehaus nach Haldern, heute Norma. „Später ging es in das ehemalige Wasser- und Schifffahrtsamt am Westring.“

Glücklich war man im Reeser Rathaus über die neue Kreiszuordnung nicht. „Wir fühlten uns als Anhang im Kreis Kleve und nicht dazugehörig. Zudem verloren wird die uns bekannten Ansprechpartner beim Kreis Wesel“, erinnert sich Egon Wickermann an die Übergangszeit.

Der Halderner Amtsbürgermeister Willi Buckermann trat 1982 die Nachfolge von Josef Tasch als Bürgermeisterkandidat für Rees an und sorgte durch seine Wahl dafür, dass sich Haldern in Groß-Rees auch politisch gut vertreten wiederfand. Haldern hatte durch die Neuordnung die Bauernschaft Töven und Teile von Wittenhorst und Sonsfeld an Hamminkeln abgeben müssen. Überhaupt fühlten sich die Halderner als die großen Verlierer, nachdem sich das eigene Postamt, die Gemeindeverwaltung, der eigene Bahnhof, die Landwirtschaftsschule, die Volksschule bis zur 8. Klasse und das Krankenhaus vom Lindendorf verabschiedetet hatten. Dass Haldern dennoch in den vergangenen 40 Jahren sein Profil behalten hat, wird in diesem Jahr wieder unter Beweis stellen, wenn Haldern sein 975-jähriges Jubiläum feiert.

Ob ein Halderner oder Reeser nun ein WES- oder KLE-Kennzeichen führte, blieb, so erinnert sich Opel-Händler Benedikt Tiggelbeck an das Jahr 1975, unaufgeregt. Nur bei Oldtimer, meist Traktoren, findet man ganz selten noch ein WES-Kennzeichen, das das Siegel Kreis Rees trägt. Da muss dann aber der Halter seit 40 Jahren das Fahrzeug besitzen.