Streit an der Futterstelle

Foto: Wolfram Martin

Rees..  Vor rund einem Jahr hat Horst Lenz sie erstmals an seinem Futterhäuschen gesehen: Grünfinken. Weil diese Vögel, auch Grünlinge genannt, immer in ganzen Familienbanden kommen, haben sie seine Aufmerksamkeit erregt. „Sie sind frech, behaupten sich am Futterplatz“, hat Lenz bei seinen zahllosen Beobachtungen festgestellt.

Bei der jüngsten Gartenvogelzählung des Nabu hat Horst Lenz mitgewirkt. Neben Meisen, Buchfinken und Amseln haben auch die Vögel mit dem grün-gelben Federkleid sein Futterhaus wieder rege besucht. „Zwölf habe ich innerhalb einer Stunde gezählt“, sagt der Reeser. Lenz füttert das ganze Jahr hindurch. Was die Grünlinge auch zu anderen Zeiten in seinen Garten lockt. „Im vergangenen Jahr hatte ich nach der Brut Besuch von einigen Altvögeln mit bis zu vier Jungen“, erzählt er. Sie saßen zur Freude des Vogelfreundes nebeneinander auf seinem grünen Stahlgitterzaun und ließen sich von den Vogeleltern füttern.

„Grünfinken sind hierzulande keine Seltenheit“, war von Martin Brühne, Diplom-Biologe beim Naturschutzzentrum des Kreises Kleve, zu erfahren. Er bestätigte auch, dass die Grünfinken sich an den Futterstellen durchzusetzen wissen. Auch gegenüber den Meisen. „Denen gegenüber sind sie schon von der Größe her im Vorteil“, so Brühne. Er hat beobachtet, dass die Grünfinken sich gern länger auf der Futterstange aufhalten, dort Sonnenblumenkorn um Sonnenblumenkorn picken, während die Meisen sich nur ein Korn abholen, wegfliegen, um es an anderer Stelle zu verspeisen, um dann erneut die Futterstelle anzufliegen.

Das Grünfinkensterben durch Trichomonadose, das besonders 2009 viele Opfer forderte, ist immer noch ein Thema. „Das traditionelle Futterhäuschen sollte tabu sein“, rät Bühne. Weil dort die Vögel durch das Futter laufen und es verkoten könnten. Statt dessen empfiehlt er Futtersäulen, bei denen die Hungrigen auf einer Stange Platz nehmen können.

Amsel, Heckenbraunelle und Rotkehlchen fühlen sich auf der Vogel-stange aber nicht wohl. Sie suchen ihr Futter am Boden. „Gerne auch eine Apfelkitsche“, sagt Brühne.