Storno ist dem realen Irrsinn auf der Spur

Rees.  . Es gibt einfach Themen, die für Kabarettisten wie geschaffen sind. Politiker beispielsweise. Parteien, die Deutsche Bahn, die katholische Kirche und ganz aktuell der Fußball. Genauer: die FIFA. Und so lieferte einmal mehr die Realität eine Steilvorlage. Und Storno, eine dreiköpfige Kabaretttruppe aus dem Münsterland, nutzte diese auch gleich als Einstieg für einen irrwitzigen Abend im Reeser Bürgerhaus.

Es war der Tag, an dem sieben Funktionäre des Fußballweltver-bandes wegen Korruption verhaftet wurden. „Blatter ist kein Name, Blatter ist eine Diagnose“, lautete daher die Einschätzung von Storno. Da können die Emotionen schon hochkochen: „Ich hasse die FIFA“, gesteht Jochen Rüther freimütig. Verständlich, wenn man an ein Finale der Fußball-Weltmeisterschaft am vierten Advent denkt.

Storno sind dem realen Irrsinn auf der Spur. In ihrem Programm „Sonderinventur“ greifen sie Themen auf, die im Laufe des Jahres die Menschen beschäftigen. Oder auch beschäftigen müssen. Logischerweise sind diese selten wirklich neu. Doch sie wollen auch nicht das Rad neu erfinden, sondern mit ihrer ganz eigenen, unverwechselbaren Art die Menschen zum Lachen bringen.

Was kein klassisches „Belehrungskabarett“ ist. Vielmehr eine schöne Mischung aus Gesichtsakrobatik, aus Wortwitz und musikalischen Einlagen, eine Mischung aus Blödelei und scharfsinnigem Kabarett.

Wenn Storno also die These auf-stellt, dass die Menschen „in Wahr-heit alle Afrikaner sind“, dann ist das im Programm eine kleine thematische Brücke. Doch die Art und Weise, wie das Trio auf der Bühne die Entwicklung des Menschen vom Urmenschen hin zum Neandertaler und zum heutigen Homo Sapiens darstellen, ist ein umfassender Angriff auf die Lachmuskeln.

Putin und der Kindergeburtstag

Besonders schön ist dann aber der Übergang vom Ursprung der Menschheit hin zur Homo-Ehe, zu Putin und schließlich zur katholi-schen Kirche. Von dort geht der wilde Ritt weiter zur Kindheit, zu der Schwierigkeit, einen Kindergeburtstag nicht zum „Wettrüsten wie im kalten Krieg“ werden zu lassen. Und schließlich zu Ursula von der Leyen und ihrer „familien-freundlichen Bundeswehr“. Unterbrochen wird die gewaltige Wortakrobatik von musikalischen Darbietungen, die den Witz auf eine andere Stufe stellt und die Nationalhymne, gesungen auf den Rhythmus von „YMCA“, zum Erlebnis werden ließ.

Den krönenden Abschluss bildete eine Gesangseinlage zum Thema Patchwork, gesungen auf die Melodie eines Songs von Amy Winehouse. Inklusive Hüftschwung und der Erkenntnis: „Wenn wir das nächste Mal nach Rees kommen, dann ist der Saal zum Bersten voll.“ Eine Prognose, die an diesem Abend zum Versprechen wurde.