Stockhoff schließt zum 1. August

Werner Stockhoff  vor den noch vollen Bücherregalen. Freitag beginnt der Räumungsverkauf.
Werner Stockhoff vor den noch vollen Bücherregalen. Freitag beginnt der Räumungsverkauf.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Freitag beginnt der vierwöchige Räumungsverkauf in der traditionsreichen Buchhandlung in der Fußgängerzone. Schluss nach 98 Jahren. Werner Stockhoff erläutert die Gründe: „Die Zeiten haben sich geändert!“

Emmerich..  Werner Stockhoff nimmt es mit Galgenhumor: „Einer der letzten Dinos des Emmericher Einzelhandels schließt seine Pforten“, teilte der 59-Jährige der NRZ mit. Freitag startet auf der Kaßstraße der vierwöchige Räumungsverkauf.

Alles kommt raus: Bücher, Schreibwaren, Büro- und Schulbedarf und Geschenkartikel. In zwei Jahren hätte Stockhoff 100-Jähriges gefeiert. Daraus wird nun nichts mehr. „Leider kann ich nicht mehr länger warten“, sagt Stockhoff, „weil sich der Buchhandel und die anderen Bereiche kaufmännisch nicht mehr rechnen“.

An der Wiege standen zwei Schwestern

1917 hatten zwei Schwestern, Franziska und Therese Clausen aus Wesel, die Firma gegründet. 1920 heiratete Hermann Stockhoff seine Therese. Hermann Stockhoffs Sohn Rolf führte den Familienbetrieb fort, ehe in dritter Generation Werner Stockhoff 1997 als alleiniger Geschäftsführer das Steuer übernahm.

Seinem Geschäft hatte er erst vor drei Jahren eine Frischzellenkur verpasst und das traditionsreiche, aber immer noch den Charme der 60er Jahre versprühende Ladenlokal rundum modernisiert. Doch nun das Aus. Warum?

Werner Stockhoff nennt zwei Gründe: „In erster Linie liegt es an den neuen Medien.“ Also unter anderem an Amazon: Einmal den Knopf drücken, und dann wird das bestellte Buch ein paar Tage später geliefert. Als zweiten Grund führt er die generelle Situation Emmerichs ins Feld: „Die Außendarstellung ist katastrophal schlecht“, klagt er: „Emmerich hat keine Lobby als Einkaufsstadt.“ Gedankenspiele wie das City-Outlet bewertet er kritisch: „Das zeigt, dass man resigniert hat.“

Sicher sei das Angebot an Buchhandlungen in Emmerich inzwischen „ein bisschen viel“, aber, so sein Fazit, „es liegt nicht nur an den Mitbewerbern“.

Stockhoff will den aus drei Gebäudeteilen bestehenden Komplex zwischen Kaßstraße, Aldegundiskirchplatz und Hottomannsdeich inklusive der Wohnungen entweder komplett oder einzeln über die S-Immobilien verkaufen.

Werner Stockhoff wird seine alten Kunden, die bei ihm Kopierer, Drucker und andere Büromaschinen gekauft haben, auch weiter betreuen, unterstützt von Techniker Marco te Baay. Aber die Bürotechnik wird künftig über die Firma Ness Computer auf der Albert Einstein-Straße abgewickelt.

„Wenn ich den Schlüssel umdrehe, werde ich sicher einige Male schlucken“, sagt Werner Stockhoff. Dafür habe er den Kopf künftig frei.