Statt zu bezahlen, nahm er die Spendenbox mit

Foto: NRZ Emmerich

Rees..  Spendendosen zu stehlen, ist eine üble Sache. So musste sich gestern ein 65-jähriger Rentner aus Rees vor dem Emmericher Amtsgericht verantworten, der am 9. Januar in dem Döner Restaurant am Markt die Sammelbox für den Jesidischen Kulturverein hatte mitgehen lassen. Das Verfahren wird eingestellt, wenn der Angeklagte binnen der ihm gesetzten Frist 150 Euro an eben jenen Verein überwiesen hat.

Der Angeklagte war früher Geschäftsführer in einem Stahlhandel im Ruhrgebiet, bis er mit seiner Frau nach Rees zog. Hier verdiente er sein Geld in verschiedenen Nebenjobs. Der Angeklagte hatte nach eigenen Angaben an jenem Tag drei Getränke verzehrt und diese nicht bezahlen können. Er hatte kein Geld dabei. 4,50 Euro soll der Streitwert zwischen Wirt und Gast betragen haben. Nach der Auseinandersetzung mit dem Imbissbetreiber, der ihm angeblich keinen Kredit einräumen wollte, schnappte der Angeklagte sich in einem unbeobachteten Moment die Spendenbox und fuhr mit dem Wagen davon. Danach öffnete er die Box gewaltsam, nahm zehn Euro heraus, um damit seine Bringschuld im Dönerimbiss zu erledigen.

Zurückgegeben hat der Angeklagte das „Restgeld“ erst nach zwei Tagen. „Ich schätze, es waren 60 bis 70 Euro“, so der Angeklagte. „48,45 Euro waren es“, zitierte Richterin Dr. Christiane Schmitz die von der Polizei durchgeführte Zählung. In der Box sollen sich nach Schätzung der Imbissbetreiber zwischen 150 und 200 Euro befunden haben. Kein Licht in das Geschehen konnte der Imbissbetreiber bringen, er war als Zeuge geladen, aber nicht erschienen.

Der Angeklagte, der eine Entgiftungstherapie in Duisburg wegen eines Alkoholproblems beendet hatte und sich derzeit in der Obhut der Suchtberatung in Emmerich befindet, bereute die Tat, gab aber an, sich vom Betreiber bedroht gefühlt zu haben. Auf die Fangfrage des Staatsanwaltes: „Haben Sie für 4,50 Euro zwei Bier bestellt“, versicherte er, nur Cola und Wasser getrunken zu haben. Schließlich war er ja auch mit dem Pkw getürmt.

Da der Angeklagte bisher polizeilich nicht in Erscheinung getreten ist, bot die Richterin an, obwohl der Tatbestand eines Diebstahles erfüllt ist, der Angeklagte aber das Geld zurückgebracht hat, das Verfahren einzustellen - gegen Zahlung von 150 Euro innerhalb eines Monats an den Jesidischen Kulturverein, an den das Spendengeld gehen sollte. „Ich wusste ja gar nicht, für wen dort gesammelt wurde“, gab sich der Angeklagte kleinlaut und sprach von einer Kurzschlusshandlung.

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