Sieben Jahre Gefängnis für „Telefonist“

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Kleve/Rees..  Auch wenn er nur als Telefonist in Erscheinung getreten ist: Mehr als 20 Kurier-Fahrten mit über 300 Kilogramm Marihuana von der niederländischen Grenze nach Berlin kommen einem 48-jährigen Niederländer aus Rees jetzt teuer zu stehen. Am Landgericht in Kleve wurde der Mann, der seit Januar in Untersuchungshaft sitzt, zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt.

Damit blieb das Gericht mit dem Vorsitzenden Richter Jürgen Ruby unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Freiheitsstrafe von neun Jahren – aber deutlich über der von der Verteidigung erhofften maximalen Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Fluchtgefahr vorhanden

Aus Sicht der Verteidigung handelte es sich nämlich nicht, wie in der Anklage formuliert, um einen bandenmäßigen Handel mit Betäubungsmitteln, weil nur zwei Männer involviert gewesen seien. Das sah das Gericht anders. Es lehnte auch den Antrag der Verteidigung ab, den Strafbefehl auszusetzen, weil sehr wohl Fluchtgefahr bestehen würde.

Der 48-Jährige, der von zwei Justizbeamten mit Handschellen in den Gerichtssaal geführt worden war, nahm das Urteil sichtlich betroffen entgegen. Zuvor hatte sich der Reeser, der über sechs Monate von der Polizei telefonisch abgehört wurde und von seinen Mittätern als „Cheffe“ bezeichnet worden sein soll, reuig gezeigt. „Es tut mir leid, was ich getan habe“, sagte er.

Er habe nicht nur seine Existenz zerstört, sondern durch den „Mist“, den er gebaut habe, sich während der U-Haft nicht von seinem in dieser Zeit verstorbenen Vater verabschieden können. Auf ein wie erhofft „einigermaßen mildes Urteil“ wartete er aber vergebens.

Provision von 22 000 Euro

Zwar sei er nur Telefonist gewesen und habe sozusagen zwischengeschaltet die Fahrten nach Berlin vermittelt, hieß es in der Urteilsbegründung. Dafür habe der Reeser aber für die Kurier-Fahrten, bei denen es immer zwischen zehn und 30 Kilo Marihuana ging, eine Provision von insgesamt 22 000 Euro erhalten.

Ob das Marihuana, laut Gutachten von schlechter Qualität, aus Deutschland oder den Niederlanden stammte, konnte nicht geklärt werden. Der am Drogenhandel beteiligte Berliner, der dort bereits zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt worden war, war als Zeuge geladen, kam aber nicht. Er hätte laut Richter Ruby auch sicher von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrach gemacht. Der dritte im Bunde, ein Mann namens Hans, der die Drogen besorgt haben soll, blieb weiter unbekannt. Dessen Identität wollte weder der Berliner, noch der Reeser verraten. „Aus Sicherheitsgründen“, wie es schon am ersten Verhandlungstag geheißen hatte.

„Die Strafe von sieben Jahren“, schloss Richter Ruby die Urteilsbegründung, „ist erforderlich, aber ausreichend.“