Segelflieger wollen durchstarten

Bis 2017 können die Segel- und Motorflieger auf jeden Fall in Emmerich starten. Jetzt soll sogar neues Fluggerät angeschafft werden.
Bis 2017 können die Segel- und Motorflieger auf jeden Fall in Emmerich starten. Jetzt soll sogar neues Fluggerät angeschafft werden.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Für 2014 hat Düsseldorf 800 „motor-getriebene Flugbewegungen“ genehmigt. Fusion mit Kalkar spült bis zu 400 000 Euro in die Emmericher Vereinskasse. Dafür sollen auch zwei neue Flugzeuge gekauft werden

Emmerich/Kalkar..  „Fly in Jonny“ steht über der Tür zum Vereinsraum, aus der Heinrich van de Sandt mit einer Tasse Kaffee kommt. Das Gebäude, seit drei Jahren Eigentum des Emmericher Flugsport-Vereins, hat seine beste Zeit hinter sich. Van de Sandt, 64 Jahre alt und dienstältestes Vereinsmitglied, setzt sich auf die Holzbank. „Das Dach muss erneuert werden. Und von außen braucht die Halle dringend Farbe“, sagt der pensionierte Studienrat. Doch das ist nicht alles: Der Verein, der jüngst von der Bezirksregierung für 2014 die Genehmigung für „achthundert motor-getriebene Flugbewegungen“ erhalten hat, will durchstarten. Auch mit neuem Fluggerät.

Dabei hatte es noch vor einiger Zeit gar nicht gut ausgesehen um die Zukunft der Segeflugfreunde aus Emmerich und Umgebung. „Unser Fluggelände am Rheinufer liegt im Naturschutzgebiet“, erzählt der erfahrene Segelflieger. Deshalb sollte der Verein einen neuen Standort suchen. „Das haben wir auch versucht, aber ohne Erfolg“, sagt er.

Mitglieder müssen noch zustimmen

Das Bemühen, ein Gelände in Warbeyen zu bekommen, scheiterte letztlich ebenso wie eine erfolgreiche Landung in Bylerward. Hier hatten die Flieger ihre Rechnung ohne eine Bürgerinitiative gemacht.

Doch Düsseldorf, so Heinrich van de Sandt, belohnte die Anstrengungen und lässt die Segler jetzt erst einmal mit einem Pachtvertrag bis 2017 auf ihrem gut 14 Hektar großen Areal am Rhein starten und landen. Eigentümer der Fläche ist das Staatliche Forstamt Kleve sowie das Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg. „Ich glaube, wie werden auch danach weiter fliegen dürfen“, ist sich van de Sand sicher.

Was BUND und NABU nicht vor Jubel in die Luft springen lassen dürfte. Sie hatten vor gut acht Jahren dafür gesorgt, dass die Fläche im Rahmen des „Flora, Fauna, Habitat“-Programms der EU (FFH) nach Brüssel nachgemeldet wurde.

Heinrich van de Sandt und seine „Flieger-Kollegen“ sind jedenfalls froh, dass es weiter geht am Rhein. Sogar Ultraleichtflieger mit Schlepp-Vorrichtung und für Schulungszwecke dürfen jetzt auf der rund 1000 Meter langen Piste an der Deichstraße starten und landen. Davon hätte man vor Jahren nicht zu träumen gewagt.

Es gibt aber noch eine Entwicklung, die für Emmerich mehr als erfreulich ist: die fast perfekte Fusion mit dem „Aeroclub Kalkar-Wissel“. Während die Kalkarer dieser bereits zugestimmt haben, muss sie von den 115 Emmericher Mitgliedern noch abgesegnet werden. Das soll auf der anstehenden Jahreshauptversammlung passieren.

Vorteil: Die zwölf Kalkarer Klubmitglieder bringen frisches Geld mit. Bis zu 400 000 Euro dürften der Verkauf der Halle und des 2500 Quadratmeter großen Geländes an den Wisseler Dünen bringen.

„Ein Investor hat eine Bauvoranfrage in Kalkar gestellt“, weiß van de Sandt, der das Geschäft eingefädelt hat. Er hat sogar noch einen zweiten Interessenten an der Hand, der die Halle für Oldtimer nutzen will.

Für den Emmericher Segelflug-Verein ist die Entwicklung ideal. Denn mit dem Kapital will der Verein zwei neue, moderne Fluggeräte kaufen: ein „eigenstartfähiges Segelflugzeug“ (kleiner Motor wird nach dem Start eingeklappt), sowie ein Ultraleicht-Flugzeug.

In der Halle, Baujahr 1964, stehen derzeit ein Motorsegler aus dem Jahr 1970 sowie vier alte vereinseigene Segelflugzeuge. Weitere sieben Privatjets haben Vereinsmitglieder, so wie Heinrich van de Sandt, bei sich zu Hause oder neben der Halle geparkt.

Apropos Fusion: Zurzeit, so van de Sandt, der noch einen Heißluftballon fliegt und gleich mehrere Windräder besitzt, liegt die Satzungsänderung noch beim Amtsgericht Kleve. Solange sie noch nicht abgesegnet ist, hätten die Kalkarer Flieger „Gastrecht“ in Emmerich.

Erst danach werde der Verein auch einen neuen Namen bekommen. „Auf jeden Fall wird die Fusion, die sicher bis zum Frühjahr perfekt ist, die Attraktivität unseres Segelsportvereins deutlich steigern“, ist sich der Griethausener absolut sicher.