Schutzengel trinkt sich Emmerich schön

Der Bürgervereinsvorstand verleiht dem GECK den Fährmann.
Der Bürgervereinsvorstand verleiht dem GECK den Fährmann.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Im Rahmen der 192. Karnevalssitzung des Bürgervereins Emmerich wurde der Fährmann an das Groß Emmericher Carnevals-Komitee (GECK) verliehen. 350 Gäste im Saal von Hebben.

Emmerich..  Mit genau jecken elf Minuten Verspätung startete die Karnevalssitzung des Bürgervereins Emmerich (BVE) traditionell im Saale Hebben. Das Motto lautete: „Mit dem Fährmann Hand in Hand geht es ab ins gecke Land.“

Wegen der Fährmann-Verleihung an das GECK war die 192. BVE-Sitzung um eine Stunde vorverlegt worden. Ungewollt erntete der erste Direktor Freddy Heinzel gleich zu Beginn die ersten Lacher, als er die Namen seiner Vorstandskollegen nicht mehr alle wusste. „Wenn man über 51 ist, dann gehen einem die Namen schon mal durch“, so Heinzel. Was Bürgermeister Johannes Diks, der zehn Jahre älter ist, kommentierte: „Bei mir heißt das Tagesalzheimer. Ich hoffe, dass es in zehn Jahren bei dir nicht ausgeprägter sein wird...“

Schlag auf Schlag

Nach der kleinen Feierstunde zog das Komitee unter den schmissigen Rhythmen des Spielmannszuges Praest in den mit 350 Narren voll besetzten Saal ein. Nach der Begrüßung durch Markus Elbers und Annette Arntzen wechselten sich die Darbietungen auf der Bühne Schlag auf Schlag ab.

Einige davon waren stark lokal geprägt. Wie beim Schutzengel der Stadt Emmerich (Tina von Gimborn-Abbing): „Städte wie Emmerich bekommen Schutzengel mit Fehlern“, sagte der blonde Rauschgoldengel, der ein kleines Alkoholproblem hatte und häufig einen kräftigen Schluck aus der Tequila-Flasche nahm: „Ich trinke mir die Stadt schön, die ein bisschen merkwürdig und seltsam ist und zum Probeliegen auf Friedhöfe geht.“ Und weiter: „Die Holländer fahren über die Rheinbrücke nach Kleve, und Mona kann noch nicht einmal IOC rückwärts buchstabieren, meint aber unbedingt, dass wir ein olympisches Reiterdorf brauchen.“ Einen kleinen Seitenhieb gab es für Elten: „Auch Elten hat einen Schutzengel, doch der ist am rechten Flügel amputiert.“

Beim Fernsehabend von Opa (Daniel Dippe) und seinen Enkeln (Guido und Nicole Elbers) berichtete ein Sender über das Wahlergebnis zum Ortsausschuss Elten, den eine Frau aus Vrasselt leitet. Opa erklärt seinen Enkeln die Politik: „Nicht das Errreichte zählt, sondern das Erzählte reicht.“ Und wenn St.Vitus einstürzt, weil für die Betuwe-Linie der Eltener Berg angekratzt wird, ziehen alle Eltener nach Hüthum, und es gibt dort wieder viele Geschäfte.

Mit Conchita Wurst (Franz Feyen) konnten die BVE-ler auch eine großartige Künstlerin begrüßen, die es trotz ihres vollen Terminkalenders möglich gemacht hat, nach Emmerich zu kommen. Auch Feyen legte in seiner Bütt den Finger in so manche lokale Wunde: „Es wird gebaut ohne Ende - nur auf dem Papier.“

Letztens habe er an einem Feiertag zum Zahnarzt gemusst, „und Glück gehabt, ich habe direkt einen gefunden - in Kevealer.“ Danach sei er noch schnell zur Apotheke gefahren - in Wesel. „Doch in Emmerich ruhen alle in sich und haben Verständnis“, wunderte sich Feyen. Zur Melodie von „Tränen lügen nicht“ sang er: „Bei Neumarkt und Kasernenflächen sind wir gespannt, welche Pläne schwächeln.“