Schute wird nicht ausgebootet

Die neue Schute am Yachthafen ähnelt tatsächlich eher einem schwimmenden Einfamilienhaus, soll aber die gleiche Funktion übernehmen wie die abgewrackte Schute Marina.
Die neue Schute am Yachthafen ähnelt tatsächlich eher einem schwimmenden Einfamilienhaus, soll aber die gleiche Funktion übernehmen wie die abgewrackte Schute Marina.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Am Hüthumer Meer ist die Welt nicht mehr in Ordnung. Streit zwischen Eigentümer und Stadt drohte zu eskalieren. Jetzt scheint die Vernunft doch noch Oberwasser zu bekommen.

Emmerich.. Sie sind eine große Familie: die Skipper und die Camper, die sich gleichermaßen wohl fühlen im Emmericher Yachthafen. Zu dem Wohlfühlprogramm gehörte bisher die Schute Marina. Die war mehr als nur eine Kneipe für Freizeitkapitäne und Wohnmobilisten. Sondern Clubhaus, Informationsbörse, geselliger Treffpunkt, und dort wurde gelegentlich auch mal Seemannsgarn gesponnen.

Doch seit einiger Zeit ist die Stimmung getrübt, ja mies. Die dunklen Wolken zogen über dem Hüthumer Meer auf, als die alte, bereits 1901 gebaute Schute, die über 40 Jahre mit allen erforderlichen Genehmigungen in dem Freizeithafen ankerte, nicht mehr zu reparieren war, deshalb ausgemustert und durch ein neues Gastronomieschiff mit 50 statt bislang 144 Sitzplätzen ersetzt wurde, das freilich mehr einem großen Hausboot ähnelt als seinem abgewrackten Vormodell.

Und dieses merkwürdige Ding wollte das Bauamt nicht so ohne weiteres schlucken, sondern zum Anlass für die Aufstellung eines Bebauungsplanes nehmen, der für das Hüthumer Meer bisher nicht existiert. Doch so ein Verfahren kann naturgemäß ein paar Jahre dauern. Das wiederum fand die niederländische Eigentümerfamilie Goris gar nicht lustig. Der Streit drohte aus dem Ruder zu laufen. Eine Klage stand ebenso im Raum wie eine Unterschriftenaktion.

Böse Post

Vorläufiger Höhepunkt: Bürgermeister Johannes Diks erhielt einige sehr unschöne Mails und Briefe von Skippern und Campern, die ihm den Schwarzen Peter für den Fall in die Schuhe schieben wollten, falls der Yachthafen ohne Schute ganz schließen müsste. Doch nun, oh Wunder, ist plötzlich Bewegung in die verfahrene Kiste gekommen. Die Vernunft scheint endlich Oberwasser zu behalten.

Einer der Skipper, der sich im Emmericher Yachthafen wie zu Hause fühlt, ist Dirk Gawrich. Mit seiner „Zephyr“, einem englischen Motorboot, bricht der Mülheimer gerne von Emmerich aus zu Törns in Richtung Niederlande auf und bummelt mit Ehefrau Sylvia auch gelegentlich über die Emmericher Rheinpromenade. Er beklagt: „Wir sind zwar der größte Sportboothafen mit mehr als 400 Liegeplätzen am Rhein, aber zur Zeit leider ohne Lokal.“

Schon seit acht Monaten verhandele das Yachthafenteam mit der Stadt. Die große Familie der Bootseigner und Wohnmobil-Besitzer sei „sehr verärgert“ über diese Verzögerung. Gawrich: „Wenn die Schute dicht gemacht würde, wäre das sehr ärgerlich.“ Dabei habe der Bürgermeister vorab selbst die Hoffnung genährt, dass ein Austausch der Schuten kein Problem sei.

Doch das sieht Diks etwas anders. „Einem Austausch hätten wir ja auch zugestimmt. Aber er hat ein Einfamilienhaus auf schwimmende Pontons gesetzt. Das ist baurechtlich etwas anderes.“ Man habe gar nichts dagegen, sofern baurechtlich alles sauber über die Bühne gehe. Für den Vorbescheid müsse der Antragsteller aber erst noch prüffähige Unterlagen im Rathaus einreichen, beispielsweise zum Brandschutz und zweiten Rettungsweg.

Auch Diks weiß natürlich um die wirtschaftliche Bedeutung der Freizeitattraktion Yachthafen und ist um eine konstruktive Lösung bemüht: „Wir wollen uns in keiner Weise verweigern. Wir haben ein großes Interesse, dass da was passiert.“

Unabhängig von der winkenden Genehmigung für die Schute hält die Stadt am Bebauungsplan fest. „Wegen der Straßensituation“, so Diks’ Begründung. Die Fackeldey-straße inklusive Einmündung zur B 8 ist nicht vernünftig ausgebaut, wird aber täglich von vielen Lastern der T&A-Palettenfabrik und der Ziegelei Muhr frequentiert, die den Yachthafen „einrahmen“.

An der Schute selbst muss jetzt noch einiges gemacht werden. In etwa drei Monaten will man dort die Saison einläuten.